Kopflos in Betulia: Judit

28. August 2007

Judit enthauptet Holofernes, Caravaggio, um 1598

Das Alte Testament ist reich an großen Frauengestalten. Eine der bekanntesten wird in der Kunst zumeist mit einem abgeschlagenen Kopf dargestellt: Judit, was da heißt: die Jüdin. Judit ist im Alten Testament ein eigenes Buch gewidmet.

Die bekannteste Geschichte um Judit betrifft sicher die Begebenheiten um den Oberbefehlshaber der Assyrer, den Holofernes. Zu beginn der Geschichte belagern die Assyrer die Stadt Betulia und die Lage ist so bedrängt, dass die Bewohner schon an Aufgabe denken. Judit, eine gottesfürchtige und schöne Witwe, ersinnt daraufhin einen Plan, um die Stadt zu retten. Sie legt ihre Witwenkleider ab und putzt sich heraus. So begibt Judit sich in das Lager der Assyrer. Holofernes ist von ihrem Liebreiz entzückt und von ihrer Weisheit begeistert. Am vierten Tag veranstaltet er für Judit ein Festmahl, auf dem der Anführer der Assyrer die schöne Jüdin verführen will. Judit aber hält Holofernes hin und so trinkt der Mann mehr, als ihm gut tun sollte. Schließlich sinkt der Assyrer auf sein Bett und schläft ein. Die Dienerschaft des Holofernes hat das Zelt bereits verlassen. Judit hat also freie Bahn. Sie nimmt das Schwert des Holofernes und schlägt dem Betrunkenen den Kopf ab. Judit stopft das abgeschlagene Haupt in einen Sack und bringt es nach Betulia, wo großer Jubel ausbricht. Der Kopf des Holofernes aber wird außen an die Zinnen der Stadt gehängt. Die Feinde sind verwirrt.

Die Geschichte enthält alles, was eine gute Geschichte ausmacht: Sex, Macht und Tod, weshalb das Thema vor allem in der Renaissance sehr beliebt wird. Doch schon im Mittelalter wird die Geschichte aufgegriffen und dargestellt. Judit wird dabei als eine Vorankündigung Mariens gesehen, die dem Volk Gottes die Rettung bringt, nämlich Jesus Christus. Der Sieg über Holofernes wurde auch als ein Symbol des Sieges der Tugend über das Laster verstanden.

Nichtsdestotrotz ist auch die Geschichte um Holofernes ein Beispiel dafür, wie Gott immer wieder das Schwache dazu bestimmt, das Starke zu besiegen.

Quelle: Judit

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