Noch eine starke Frauengestalt: Ester

Ester geht zu Artaxerxes, John Everett Millais, 1865Die Geschichte spielt zu der Zeit, als das persische Großreich Israel beherrschte und große Teile des Volkes nach Persien verschleppt hatte. Zu den Verschleppten gehörte auch Mordechai, der von den Persern nach Susa gezwungen wurde und eine Nichte namens Ester (hebräisch Hadessa genannt) hatte. Ester war jung und schön. Als Esters Eltern gestorben waren, ging sie zu ihrem Onkel nach Susa.

Im Perserreich herrschte zu der Zeit Artaxerxes. Der König war mit Waschti verheiratet, die er aber wegen Ungehorsams verstieß. Daraufhin ließ Artaxerxes im ganzen Reich eine neue Frau suchen. Auch Ester wird vor der König geführt. Dort gewinnt sie seine Gunst und er macht sie zur Gemahlin und Königin, ohne freilich, dass sie ihm erzählt hat, dass sie Jüdin ist.

Doch Artaxerxes hat einen Großwesir namens Haman. Haman zürnt gegen die Israeliten und erwirkt einen königlichen Erlass, nachdem alle Juden getötet werden sollen. Daraufhin bittet Mordechai seine Nichte zum König zu gehen und ihn zu bitten, den Erlass aufzuheben.

Leider gibt es ein Gesetz, dass jeder Mensch, der ungerufen zum König geht, des Todes ist. Artaxerxes schaut deshalb seine Frau so wütend an, dass Ester vor Schrecken in Ohnmacht fällt. Für ihr Volk riskiert Ester ihr Leben. Aber Gott erweicht das Herz des Königs. Der nimmt seine Gemahlin zärtlich in den Arm, bis diese wieder zu sich kommt. Artaxerxes gibt ihr seinen Zepter und fragt sie nach ihrem Wunsch. Ester bittet Artaxerxes zusammen mit Haman zu einem Festmahl zu ihr zu kommen.

In der Nacht kann der König nicht schlafen und lässt sich aus den Chroniken vorlesen. Da erfährt er, dass Mordechai ihn einst bei einem Attentat das Leben gerettet hat, wofür er noch nicht belohnt worden war.

Das Festmahl bei Ester, Jan Lievens, um 1625

Beim Festmahl enthüllt Ester vor dem König die Pläne Hamans. Der Perserkönig erzürnt, widerruft den Erlass, alle Juden zu töten und lässt Haman an dem Galgen erhängen, den dieser schon für Mordechai hat aufstellen lassen. Zudem erhalten die Juden das Recht, an ihren Feinden Rache zu nehmen.

Die Geschichte zeigt große Kenntnisse des Erzählers von den Sitten am persischen Hof, legt aber keinen Wert auf historische Genauigkeit.

In der christlichen Kunst werden seit der Renaissance auch verschiedene Einzelszenen dargestellt, vor allem aber der Ohnmachtsanfall vor dem König und dessen Gnadenerlass mit dem Zepter, sowie das Festmahl der Esther.

Die Tradition sieht die alttestamentarische Erzählung als Vorbild für die Fürbitte Mariens vor Gott.

Quelle: Ester

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