Das Alte Testament kennt vier große Propheten, die jeder ein eigenes Buch haben: Jeremia, Ezechiel, Daniel und den am häufigsten in der Kunst dargestellten Jesaja. Nach der Überlieferung wirkte Jesaja im 8. Jahrhundert vor Christus in Jerusalem. Jesaja und seine Frau, die gleichfalls eine Prophetin war, lebten in einer schwierigen Zeit. Die Assyrer waren nämlich zu der Zeit die vorherrschende Macht im Nahen und Mittleren Osten. Jesaja kündigte in seinem Buch den Untergang des Nordreiches Israel an und sagte dem Südreich Juda eine schwere Zeit voraus. Heute geht man übrigens von mindestens zwei verschiedenen Autoren des Jesaja-Buches aus, die über zweihundert Jahre getrennt lebten.
Zwei Prophezeiungen haben Jesaja in der christlichen Kunst zu seiner hervorgehobenen Stellung verholfen. Die eine lautet: „Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben.“ (Jesaja 7,14) Immanuel heißt soviel wie Gott mit uns. Das Zitat findet sich oft auf Schriftbändern, die die Darstellungen des Propheten bereichern. Wird Maria während der Verkündigung dargestellt, liest sie meistens in der Bibel. Aufgeschlagen ist das Buch der Bücher an der Stelle, an der sich die genannte Verkündigung Jesajas findet. Schon dadurch wird die einzigartige Bedeutung dieser Prophezeiung für das Christentum deutlich.
Auch die zweite Prophezeiung ist von großer Bedeutung. „An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen.“ (Jesaja 11,10) Isais, also Jesse, steht zu Beginn der Wurzel Jesse, aus der der König David hervorgegangen ist. Das Christentum deutete diese Weissagung als Hinweis auf die Davids-Abstammung des Messias bzw. Jesu.
Die Kunst zeigt Jesaja häufiger als alle anderen Propheten. Manchmal wird dem Propheten als Attribut auch eine Säge beigestellt, weil er nach außerbiblischer Überlieferung mit diesem Werkzeug getötet worden sein soll.
Die Schriftrolle (oder der Rotulus) ist übrigens in der Kunst ein häufiges Attrribut von Propheten und Schriftstellern. Damit soll ihre aktive schreibende Stellung gegenüber der eher passiven der reinen Gelehrten hervorgehoben werden, die mit einem Buch dargestellt sind.
Quelle: Könige 18-20, Jesaja
