Die Geschichte von Daniel in der Löwengrube war im frühen Christentum sehr beliebt, um dann für anderthalb Jahrtausende in Vergessenheit zu geraten. Erst die Zeit des Barock entdeckte das Motiv neu und bildete es häufig ab.
Die Geschichte vom Propheten in der Löwengrube spielt nach dem Tod des Belschazzar und wird im Buch Daniel gleich zweimal aufgegriffen. Unter dem Nachfolger des Belschazzar, dem Meder Darius, soll Daniel zum höchsten Beamten eingesetzt werden. Das erregt den Ärger der ihm zukünftig untergeordneten Beamten, die lange herumüberlegen, bis sie ein vermeintliche Möglichkeit finden, sich Daniel vom Hals zu schaffen. Sie erreichen, dass Darius ein Gesetz erlässt, indem es jedem für 30 Tage verboten wird außer an den König eine Bitte zu richten. Daniel jedoch betet und bittet weiterhin dreimal täglich zu seinem Gott, wird angeklagt und, obwohl Darius noch einen Ausweg sucht, in die Löwengrube geworfen. Zum Abschied drückt Darius gegenüber Daniel jedoch die Hoffnung aus, das Daniel von seinem Gott gerettet werde.
Darius verbringt daraufhin eine schlaflose Nacht, findet aber am nächsten Morgen Daniel unversehrt unter den Löwen. „Mein Gott hat seinen Engel gesandt und den Rachen der Löwen verschlossen,“ sagt Daniel zu Darius. Der Meder aber lässt nun die Ankläger des Daniel samt ihrer Familien zu den Löwen schließen. Alle werden sofort gefressen.
Im Buch Daniel wird die Geschichte in der zweiten Erwähung soweit ergänzt, dass Daniel nicht nur einen Tag sondern deren sechs bei den Löwen verbringt. Um ihn zu ernähren, lässt Gott einen Engel den Propheten Habakuk an seinem Schopf aus Juda mit Essen zu dem Eingekerkerten bringen.
Besonders der Besuch des Habakuk wird im Barock das beliebte Thema. Die frühen Christen hingegen sahen in der Errettung des Daniel ein Symbol der Hoffnung in Bedrohung und Todesnot, denen sie unter anderem bei den Christen-Verfolgungen ausgesetzt waren.
Quelle: Daniel 6; 14,23-42

