Im Bauch des Seepferdchens: Jona und der Fisch
9. September 2007
Eine der beliebtesten Geschichten des Alten Testamentes seit der Antike handelt von einem Fisch, der vielleicht gar keiner ist. Das Buch Jona aus dem 4. bis 3. Jahrhundert vor Christus erzählt die Geschichte von Jona aus der Stadt Ninive. Der Mann wird eines Tages zum Bußprediger berufen, dem sich Jona aber mit der Flucht auf einem Schiff nach Tarschisch zu entziehen versucht. Doch der Herr lässt Wind und Meer toben.
Die Seeleute an Bord bekommen es mit der Angst zu tun. Bald schon findet die Schiffsbesatzung aber heraus, das Jona die Ursachen allen Wetterübels ist und wirft den armen Kerl einfach über Bord. Sofort beruhigt sich das Meer.
Jona aber wird von einem großen Fisch verschlungen, in dessen Bauch er drei Tage und Nächte verbringen muss. Unabläßlich betet Jona zu Gott, bis der Fisch ihn ans Ufer ausspuckt. Noch einmal wird Jona zum Prediger berufen und so kehrt er schließlich nach Ninive zurück. Dort verkündet der Prophet die Zerstörung der Stadt, doch der König und die gesamte Bevölkerung tun Buße und beten um Schonung. Gott macht seine Drohung nicht wahr.
Das aber missfällt Jona, da ein Prophet, dessen Prophezeiung nicht wahr werden, kein guter Prophet ist. Jona setzt sich in der Stadt unter ein Laubdach und wartet ab. Am nächsten Tag lässt der Herr ein Rizininusstrauch wachsen, was Jona erfreut. Tags darauf geht der Strauch aber bereits wieder ein, da ein Wurm seine Wurzeln zernagt hat. Wieder zürnt Jona und wünscht sich den Tod. Da sagt der Herr zu Jona: Dir ist es leid um den Rizinusstrauch … Mir aber sollte es nicht leid sein um Ninive, die große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben und außerdem so viel Vieh?
Die Erzählung um Jona hat keinen historischen Hintergrund, sondern hat eine Lehrfunktion. Gott soll als ein Gott der grenzenlosen Liebe zu allem Lebendigen gezeigt werden, was der Prophet erst mühsam begreifen muss.
Im neuen Testament wird im Matthäus-Evangelium Jesus ausdrücklich mit Jona verglichen. Wie Jona im Bauch des Fisches werde der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein.
Besonders in der frühchristlichen Kunst wird das Thema oft aufgegriffen. Zu sehen sind der Wurf ins Meer und das Verschlingen durch den großen Fisch, die Ausspeiung an Land, die Ruhe unter der Laube und der verdorrte Strauch. Der Fisch wird besonders in den spätantiken Darstellungen oft auch als Seeungeheuer, manchmal aber auch als Delphin oder sogar als Seepferdchen gezeigt.
Quelle: Das Buch Jona
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