“Dürer-Zeit”: Malerei der Renaissance in Deutschland

10. September 2007

Die vier apokalyptischen Reiter, Holzstich von Albrecht Dürer, 1497/98Der Ausnahme- künstler der Renaissance- Zeit in Deutschland war Albrecht Dürer (1471-1528). Eines seiner berühmtesten Werke, das Selbstbildnis von 1500, zeigt den Künstler nicht nur als Mittelpunkt des Werkes, ein im Mittelalter kaum mögliches Motiv, sondern den Künstler auch im Sinne des humanistischen Renaissance- Ideals als Schöpfer seines Werkes. Wie schon Leonardo da Vinci (1452-1519) war Dürer ein Universal-Künstler, der nicht nur als Maler, sondern auch als Kunst- und Architekturtheoretiker wirkte, sowie Entwürfe für Glasfenster, Skulpturen und Goldschmiedearbeiten anfertigte. Vor allem aber nutzte Dürer die neuen Möglichkeiten der Druckgrafiken und schuf Holzschnitte und Kupferstiche, für deren weite Verbreitung der Künstler selber sorgte. Albrecht Dürer schuf wohl eines der ersten Logos überhaupt, welches noch heute sehr bekannt ist. Seine größten Werke schuf der Künstler wohl als Porträtist.

Eines der bedeutendsten religiösen Werke Dürers – auch als Porträtmaler – ist ein Spätwerk von 1526, welches die vier Apostel zeigt. Die beiden Gemälde waren ein selbstbewusstes Geschenk des Künstlers an seine Heimatstadt Nürnberg.

Kreuzigung Christi (links Johannes der Täufer), Karfreitagsseite des Isenheimer Altars, Matthias Grünewald, 1512-16

Als großer Künstler hatte Dürer viele Schüle, dessen wichtigster wahrscheinlich Hans Baldung genannt Grien (1485-1545) war. Sein Hauptwerk ist der Hochaltar des Freiburger Münsters (1512-16). Die grelle Farbigkeit des Werkes und die Darstellung der Person zeigt schon manieristische Tendenzen.

Von Dürer führt der Einfluss über Grien zu Mattias Gothart Nithart genannt Grünewald. Während die Nachwelt über Dürer umfangreiche Kenntnis hat, sind von Grünewald nur 35 Zeichnungen und 10 Bilder sowie ein äußerst dürftiges Lebensbild überliefert. Es ist noch nicht einmal genau bekannt, ob es sich um eine oder zwei Personen gleichen Namens handelt. In der Kunst steht das bedeutendste Werk des Grünewald, der Isenheimer Altar, völlig isoliert. Zentrales Motiv des Wandelaltars ist eine Kreuzigungsszene, die äußerst expressiv gestaltet ist. Weltberühmt ist die Haltung der Hände des am Kreuz beinahe aufgespannt wirkenden Christus. Mit beeindruckender Schonungslosigkeit zeigt das Bild einen gefolterten Menschen in größtem Leiden. So düster die Karfreitagsseite des Altars ist, so prächtig zeigen sich die Festtagsseiten, insbesondere die Auferstehungsszene, in der der Gemarterte als glutvoller Erlöser gezeigt wird.

Auferstehung Christi, Isenheimer Altar, Matthias Grünewald, 1512-16Expressiv sind auch die religiösen Bilder des Albrecht Altdorfer (1480-1538). In den Werken sind neben leidenschaftlich dargestellten Personen auch überraschende Perspektiven zu finden. Im Gegensatz dazu wirken die Landschaftsbilder des Künstlers wesentlich ruhiger. Altdorfer gilt als „Erfinder“ des Historiengemäldes (Alexanderschlacht, 1529).

Hans Holbein der Jüngere (1497/98-1543) spezialisierte sich, ähnlich wie Dürer, auf das Porträt. Der im humanistisch geprägten Basel der Vorreformationszeit aufgewachsene Holbein malte seine Bilder aber wesentlich „italienischer“ als Dürer, obwohl Holbein nie in Italien gewesen war. Holbein, von dem eine eindringliche, sehr naturalistische Darstellung des toten Christus im Grabe (1521/22) überliefert ist, ging später als Hofmaler an den englischen Hof.

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