Fast nicht zu finden: Architektur der deutschen Renaissance
11. September 2007Auffällig ist, dass in der Zeit nach 1500 in Deutschland vorerst kaum noch Kirchen gebaut wurden. Oft wurden auch die begonnenen mittelalterlichen Großprojekte unfertig beendet und erst im 19. Jahrhundert fortgesetzt. Nach 1500 begonnene Kirchenbauten wurden zumeist noch im Stil der vorangegangenen Spätgotik gebaut, auch wenn, so zum Beispiel in Halle, schon Raumkonzepte der Renaissance zum tragen kamen.
Reine Renaissancearchitektur findet sich in Deutschland eigentlich nur an Orten, an den italienische Baumeister gewirkt haben. Auch das prominenteste Beispiel, die Landshuter Stadtresidenz (1536-43), ist kein sakraler Bau. Architekt des Gebäudes in Deutschland, indem die Vorstellungen der italienischen Renaissance wohl am vollständigsten umgesetzt wurden, war der Italiener Giulio Romano.
Gerade kirchliche Renaissance-Bauten – auch unter Beteiligung italienischer Architekten – zeigen oft das ganze Dilemma der Epoche. Die Augsburger Fuggerkapelle (1509-18) ist im wesentlichen im Stil der venezianischen Renaissance der Jahrhundertwende entstanden, was die bauliche als auch die skulpturene Ausstattung der Kapelle betrifft. Über dem ganzen Raum prunkt aber kein erwartbares Tonnengewölbe, sondern ein spätgotisches Schleifengewölbe. Auch die Schlosskapelle in Torgau (1343/47) zeigt den Stil der italienischen Renaissance mit französischen Einflüssen, aber auch deutlichen spätgotischen Elementen.
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