Zwischen Strand und Hinterland: die Kathedrale von Palma de Mallorca
11. September 2007Mallorca als Reiseziel ist sicher nicht wegen seiner Kathedrale so beliebt. Auch die weniger sonnenhungrigen Touristen rühmen eher das Hinterland, als die Güte des kirchlichen Baus. Dabei zählt die Kathedrale von Palma de Mallorca – La Seu genannt – sicher zu den bedeutendsten sakralen Bauten Spaniens. Erbaut wurde die Kirche, weil ein König von Aragon es der heiligen Jungfrau versprochen hatte. So erzählt die Legende.
Der König war Jaume I (1208-1276). Er war gerade (1229) mit seiner Flotte unterwegs, um Mallorca von den Arabern zu erobern. Da gerieten die Schiffe in einen Sturm und der König versprach der Jungfrau Maria einen ihr gewidmeten Kirchenbau, falls er den Sturm überleben sollte. So geschah es und schon 1230 wurde der Grundstein für das Bauwerk gelegt.
Die richtigen Bauarbeiten an der Kathedrale begannen allerdings erst 1306 unter Jaume II. (1243-1311), dem Sohn des Eroberers. Jaume II. baute die Kirche auch als Grablege für seine Dynastie, die glorreiche, wenn auch sehr kurze Linie der mallorcinischen Könige.
Begonnen und ausgeführt wurde die Kirche im Stil der südfranzösischen oder spanischen Gotik. Dabei folgt die Basilika nicht die französischen Kathedralschema, hat also keinen Umgangschor und auch kein Querhaus.
Dafür ist das Bauwerk groß geworden. Die misst in der Länge über 120 Meter und ist mehr als 50 Meter breit. Äußerlich überraschen dabei die dicht gedrängten Pfeiler an den Seitenschiffen und das mächtige Strebewerk der Kirche.
Die Bauarbeiten am Kirchenschiff wurden erst 1587 abgeschlossen, das Hauptportal sogar erst 1601 geweiht. Dafür entstand das Portal im Stil der Renaissance. Gotisch ist noch das Portal an der Seeseite der Kathedrale, das sogenannte Mirador-Portal oder auch Puerta del Mare genannt. Der Figurenschmuck des hochgotischen Portals gilt als Meisterwerk der spanischen Bildhauerei. Namentlich wirkten die Künstler Pedro de Moret (Jungfrau mit dem Kind) und Juan de Valenciannes (Letztes Abendmahl und Heilige Trinität) mit. Der bedeutendste Künstler aber war Guillermo Sagera, der die Figuren des hl. Paulus und des hl. Petrus schuf, die das Portal flankieren.
Obwohl kaum sichtbar, verfügt die Kathedrale sogar über einen Glockenturm, der immerhin 52 Meter hoch ist. Vermutlich war der Turm höher gedacht, wurde aber nie vollendet. Im Inneren hängen neun Glocken, deren größte und bekannteste, die N’Eloi, 5.700 Kilogramm schwer ist.
Die Westfassade wurde 1852 bei einem Erdbeben zerstört. Erhalten blieb lediglich das Renaissance-Portal. Von 1852 bis Zum Anfang des 20. Jahrhunderts erneuerte man die Fassade im gotisierenden Sinne.
Das Innere wird durch das hohe Mittelschiff und dessen vierzehn Pfeiler bestimmt. Zu beiden Seiten finden sich die Seitenschiffe, die wiederum mit jeweils acht Seitenkapellen versehen sind.
Das Kathedral-Innere verdankt seine heutige Gestalt zu einem Großteil den Restaurierungsarbeiten zwischen 1904 und 1914. Ausführender Künstler war Antoni Gaudi, der später für seine fantasiereichen Bauten in Barcelona berühmt werden sollte. Folgenreichste Änderung Gaudis war es, das Chorgestühl von der Mitte des Mittelschiffes hinter den Hochaltar zu verlegen und die Sicht der Gläubigen auf eben diesen Altar freizugeben. Gaudis stattete den Altar auch mit einem großen eisernen Leuchter und einem Baldachin im Stil des Modernismus aus.
Der Bereich hinter dem Hochaltar wird auch Königskapelle genannt. Die Königskapelle nimmt rund ein Drittel der Gesamtlänge der Kathedrale ein. Hier findet sich heute das große Chorgestühl, welches im Stil der flämischen Gotik geschnitzt wurde und auch aus der entsprechenden Zeit stammt.
Berühmt ist die Kathedrale auch für seine Rosettenfenster, dessen größtes über 12 Meter im Durchmesser hat und sich über dem Hochaltar befindet. Die Glasfassung ist modern.
In der Kathedrale finden sich zwei bedeutende Gräber. So ruht hier in einem gotischen Grabmal der Bischof Antonio Gallia. Auch Clemens (VIII.), letzter der Gegenpäpste von Avignon, liegt in der Kirche seit seinem Tod 1449 begraben. Er war auch Bischof von Palma.
Von der Königskapelle gelangt der Besucher auch in die Kapelle der heiligen Dreieinigkeit. Hier hat Jaume II. sein Grab gefunden und auch Jaume III. (1359-1349) ruht hier in einer neogotischen Urne. Mit Jaume III. endete die Zeit der Könige von Mallorca bereits wieder.
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