Vorbild für unzählige Kirchen: Il Gesù in Rom

Il Gesù, Fassade (Foto: Alessio Damato)

In einem Wohnhaus in unmittelbarer Nachbarschaft einer kleinen Kirche war am 31. Juli 1556 der (Mit-)Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola, gestorben. Der Orden, der 1534 nach langwierigen Auseinandersetzungen mit der römischen Kurie gegründet und päpstliche anerkannt worden war, brauchte als Grablege für seine Gründer und für seinen römischen Hauptsitz eine Kirche. Dazu erstand der Orden die kleine dem hl. Andreas geweihte Kirche neben dem Sterbehaus des Loyola, ließ sie abreißen und eine neue bauen.

Baubeginn der neuen Kirche, die den vollständigen italienischen Namen Chiesa del Sacro Nome di Gesù trägt, also dem Namen Jesu geweiht ist, war 1568. Obwohl sogar Michelangelo seine kostenlosen Dienste für einen Entwurf angeboten haben soll, bekam der Architekt Giacomo Barozzi da Vignola (1507 – 73) den Auftrag. Er schuf eine Kirche, die Vorbild für unzählige Kirchenbauten auf der ganzen Welt bis in das 19. Jahrhundert werden sollte. Vor allem Jesuiten-Kirchen in der Neuen Welt errichtet man nach dem römischen Modell.

Il Gesù, Inneres (Foto: Jean-Christophe Benoist)Die römische Jesuitenkirche war auch Vorbild einiger deutscher Kirche. St. Michael in München, wo Renaissance und Barock gekonnt verbunden wurden, und St. Ignatius und Franz-Xaver in Mannheim sind Beispiele.

Der neue Kirchenbau folgte dabei den Liturgieänderungen, die auf dem Konzil von Trient (1545 – 63) beschlossen wurden und vor allem die Predigt vor einer Gemeinde von Gläubigen stärkte.

Die Kirche besteht deshalb nur aus einem Schiff, welches Platz für viele Gläubige bietet und deren Sinn auf den Hauptaltar und das dortige Geschehen ausrichtet. Das eine Schiff wird überwölbt von einem Tonnengewölbe. Zu beiden Seiten des Schiffes befinden sich je eine Reihe von identischen, untereinander verbundenen Seitenkapellen, die sich unter Bögen zum Schiff öffnen. Die Seitenkapellen sind durch reich verzierte Gitter oder Schranken abgeschlossen.

Auf das Langhaus folgt ein sehr verkürztes Querschiff, welches an den Enden große Altäre aufnimmt. An Stelle der Vierung befindet sich eine große Kuppel, die auf einem durchfensterten Tambour sitzt, durch den viel Licht in das Kircheninnere fällt. Der Chorraum ist architektonisch nur wenig abgesetzt, aber reicher dekoriert. Hier steht der Hauptaltar der Kirche.

In dem Baumuster der Kirchen von Il Gesù vereinen sich zwei Bauprinzipien. Aus der Hochrenaissance wird das Prinzip des Zentralbaus übernommen, da Querschiffarme und Chor die gleichen Ausmaße haben. Auch die Kuppel gehört zu dem Prinzip. Das Langhaus wiederum erfüllt den Bedarf nach Platz für die Gläubigen und folgt damit dem Prinzip der Predigerkirchen, wie sie von den großen Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner etabliert wurden.

Obwohl die Kirche Il Gesù keine Basilika mehr ist, so verleugnet sie den basilikalen Aufbau doch nicht ganz. Das Tonnengewölbe über den Langhaus verfügt an der Basis auf beiden Längsseiten über Fenster, die gleich einem Obergaden für die Belichtung der Kirche sorgen.

In den Nachfolgebauten, die auf dem Modell von Il Gesù basieren, experimentierten die Baumeister dann auch mit anderen Formen, so zum Beispiel mit ovalen Grundrissen.

Il Gesù, Deckenfresko (Foto: Jean-Christophe Benoist)Das beherr- schende Kunstwerk im Innern ist das Deckenfresko von Giovanni Battista Gaulli (1639 – 1702), welches dem Triumph des Namen Jesu gewidmet ist. In den typischen Formen des Barocks eines nach oben weit geöffneten Bildraumes, fließen am Tonnengewölbe Gemälde, Stuck, Skulptur, Architektur und Dekor ineinander und ergeben eine neues Ganzes. Von Gaulli stammt auch das Fresko in der Kuppel.

Monumentalstes Kunstwerk ist der Grabaltar für Ignatius von Loyola, der zwischen 1696 und 1700 von Andrea Pozzo geschaffen wurde. Die Erdkugel über dem Altar soll aus dem größten Lapislazuli gefertigt sein, der je gefunden wurde. Die versilberte Skulptur des 1622 heiliggesprochenen Ordensgründer ist nur eine Kopie aus dem 19. Jahrhundert. Das massivere Original wurde 1797 unter Papst Pius VI eingeschmolzen, um die Reparationsforderungen Napoleons bedienen zu können.

Im Innern kam zu Dekorationszwecken auch viel Gold zum Einsatz, welches vor allem von dem Gold stammt, welches Christopher Columbus aus Amerika mitbrachte. Ein Großteil des Dekors des Kircheninneren, so auch der vielfarbigen Marmorverkleidungen, stammen erst aus dem 19. Jahrhundert.

Berühmt geworden ist die Kirche Il Gesù vor allem auch wegen der Fassade. Sie stammt nicht von Vignola, sondern von Giacomo della Porta (um 1533 – 1605), wobei umstritten ist, inwieweit della Porta auf Vorarbeiten von Vignola zurückgriff. Della Porta schuf eine Fassade mit zwei Geschossen, wobei das obere von einem Dreiecksgiebel bekrönt wird. Das untere Fassadengeschoss wird geprägt durch starke Pilaster in Kolossalordnung, die die Vertikale der Gestaltung betonen. Unteres Geschoss und schmaleres oberes Geschoss werden optisch durch Voluten verbunden, die zudem das Dach des Langhauses verdecken. Die Fassade von Il Gesù gilt als erste rein barocke Fassade überhaupt.

Bildnachweis: 123

Eine Antwort auf Vorbild für unzählige Kirchen: Il Gesù in Rom

  1. Sebastian Kreit sagt:

    Hallo, diese Kirche besuchte ich 2015 und war begeistert von der Neugestaltung des Volksaltares, Sessio … Mich interessiert der Künstler und gedanklicher Inhalt.
    Herzl. Sebastian Kreit O.Praem

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