Ein Wesen mit vier Gesichtern: Die vier Evangelisten
30. September 2007
Das griechische Wort ευαγγελιoν, Evangelium, bedeutet soviel wie Gute Nachricht oder Frohe Botschaft. In der Frühzeit des Christentums wurden alle als Evangelisten bezeichnet, die die frohe Botschaft verkündeten. Im Laufe der Zeit beschränkte man die Verwendung des Begriffes Evangelium auf Texte, die sich mit dem Leben, der Lehre, dem Tod und der Auferstehung Christi befassen. Deren Verfasser werden Evangelisten genannt. Die frühe Kirche wählte aus einer ganzen Reihe von Evangelien vier aus, die sie als maßgeblich oder kanonisch bezeichnete. Es waren die bekannten Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
Die ersten drei Evangelisten haben neben eigenen Teilen auch viele Abschnitte, die teilweise identisch sind. Das älteste Evangelium des Neuen Testaments ist das Markus-Evangelium, welches Matthäus und Lukas dann später als Quelle verwandten. Matthäus und Lukas benutzten auch noch eine zweite, heute unbekannte Quelle, die aber von der Bibelwissenschaft als Logien-Quelle oder Quelle Q benannt und sogar rekonstruiert wurde. Das Evangelium des Johannes nimmt eine Sonderstellung ein.
Im Neuen Testament tauchen die Evangelisten in der Reihenfolge Matthäus, Markus, Lukas und Johannes auf. Ihnen zugeordnet sind die geflügelten Wesen (in gleicher Reihenfolge): Mensch (Engel), Löwe, Stier und Adler.
Die vier geflügelten Wesen leiten sich aus der Offenbarung des Johannes ab, welche wiederum auf eine Vision des Propheten Ezechiel (1,4-28) Bezug nimmt. Ezechiel sah menschliche Wesen mit Stierfüßen, vier Flügeln und vier Gesichtern. Sie hatten ein Menschengesicht, ein Löwengesicht, ein Stiergesicht und ein Adlergesicht.
Am Ende des zweiten nachchristlichen Jahrhundert wurde das viergestaltige Wesen von dem Bischof Irenäus von Lyon als Symbol für die Evangelien und die Evangelisten gedeutet.
Dabei steht der Löwe für das Tatkräftige und Königliche, der Stier oder das Stierkalb für das Opfer, der Mensch für die Menschwerdung, der Adler für den Geist.
Ab 400 ordneten dann Hieronymus und Gregor der Große die Symbole den Evangelisten zu. Matthäus bekam den Menschen, weil sein Evangelium mit dem Stammbaum des Mensch gewordenen Sohn Gottes anfängt. Markus erhielt den Löwen, da dessen Evangelium eingeführt wird von Johannes dem Täufer, des Rufers in der Wüste. Lukas wurde der Stier zugeordnet , da er mit dem Opfer des Zacharias, des Vaters des Johannes, beginnt. Zu guter Letzt ging der Adler zu Johannes, da sein Evangelium das Vergeistigteste ist und sich vor allem mit dem Wesen des Christus als dem wahren Licht der Göttlichkeit des Wortes Gottes beschäftigt.
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