Monatsarchiv für Oktober 2007

Echt ottonisch: Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode

Samstag, den 27. Oktober 2007

Stiftskirche Gernrode von Südosten (Foto: Smial)

Auch um das Jahr 1000 gab es in Europa eine Art High Society. Beschränkte sich diese auch auf eine kleine Schicht der herrschenden Feudalherren und den gehobenen Klerus, so gab es doch nichtsdestotrotz auch so etwas wie gesellschaftliches Leben. Die Fürsten führten nicht nur Krieg gegeneinander, sondern sie besuchten sich auch. Deren Ehefrauen war zwar in der Regel die Macht vorenthalten, aber sie hatten wichtige repräsentative Pflichten zu erfüllen. Eine der gängigen Wege, die jungen Damen für ihre Aufgaben fit zu machen, war es, sie bis zu ihrer Heirat in ein Damenstift zu geben, indem sie alles notwendig lernen konnten. Praktischerweise waren so auch jene Damen versorgt, für die kein Ehemann gefunden werden konnte. Eines jener Damenstifte stand auch im kleinen Nordharz-Städtchen Gernrode.
Gegründet wurde das Damenstift von Markgraf Gero im Jahre 961. Sein Beweggrund war das absehbare Aussterben seines Geschlechtes. Geros Sohn Siegfried war im selben Jahr kinderlos gestorben. Durch das Frauenstift erhoffte sich Gero das tägliche Gebet für sich und seine Familie auch noch in Jahrhunderten.

(more…)

Keine Kleckertürmchen: Sagrada Familia in Barçelona

Montag, den 22. Oktober 2007

Sagrada Familia, Weihnachtsfassade (Foto: Marek Holub)Eine Bauzeit über mehr als hundert Jahre war im Mittelalter keine Seltenheit. Einige Kirchen wurden sogar erst weit in der Neuzeit abge- schlossen, wie zum Beispiel der allseits beliebte Kölner Dom. Dass aber ein Kirchenbau in der Neuzeit, zumal kurz vor 1900 begonnen, immer noch nicht fertiggestellt werden konnte, ist dann doch eine Seltenheit. Eine der Hauptgründe dürfte wohl sein, dass die Sagrada Familia in Barcelona eine sogenannte Votivkirche ist und somit nur aus Spenden finanziert werden soll. Doch obwohl der Temple Expiatori de la Sagrada Familia (Sühnekirche der Heiligen Familie) noch weitgehend unvollendet in der katalanischen Metropole steht, so ist die Kirche mit über zwei Millionen Besuchern allein 2004 wahrscheinlich die berühmteste und bestbesuchteste Baustelle der Welt.

(more…)

Ein 1000jähriger Rosenstock: Dom zu Hildesheim

Sonntag, den 21. Oktober 2007

Dom zu Hildesheim, Blick nach Osten (Foto: Dronkitmaster)

So manche Kirchengründung wird auf eine schöne Legende zurückgeführt. Auch in Hildesheim soll der Dom nicht einfach so gebaut worden sein, sondern an einem Ort, den die heilige Jungfrau persönlich ausgesucht haben soll. Und das kam so: zu Beginn des 9. Jahrhunderts soll Ludwig der Fromme, der Sohn und Nachfolger Karls des Großen, während einer Jagd in der Gegend des heutigen Hildesheim gewesen sein. Ludwig jagte natürlich nicht allein, sondern mit großem Gefolge. Sogar ein Marienreliquiar wurde mitgeführt. Nach einer Nacht Rast stellte man plötzlich fest, dass das Marienreliquiar am Rastplatz in einen Baum gehängt und dort „vergessen“ worden war. Ein Kaplan ritt sofort zurück, fand das Reliquiar tatsächlich noch im Baum hängend und versuchte es an sich zu nehmen. Doch der Baum ließ den Behälter nicht los. Da dies als das göttliche Zeichen angesehen wurde, beschloss Ludwig an diesem Ort eine Kapelle bauen und der Mutter Gottes weihen zu lassen. Der berühmte 1000jährige Rosenstock im Hof des Kreuzganges wird gerne mit dieser Gründungslegende verbunden.

(more…)

Unbefleckte Empfängnis: Immaculata

Freitag, den 19. Oktober 2007

Immaculata, Košice, Slovakia (Foto: Marian Gladis)Geht die Gestaltung der Flagge der Europäischen Union (EU) – ein Kranz zwölf goldener Sterne auf blauem Grund – auf die Darstellung der Unbefleckten Empfängnis (Immaculata oder Immaculata conceptio zurück? Was einige nur für eine hübsche Legende halten, ist für andere eine unum- stößliche Wahrheit: 1955 soll, nachdem er an einer Madonna mit dem Sternenkranz vorbeigekommen war, der damalige Pressechef des Europarates, Paul Levy, den Vorschlag mit den zwölf Sternen gemacht haben, der angenommen und später auch für die EU übernommen wurde.

(more…)

Große Kirche in kleiner Stadt: Kathedrale Norte-Dame-de-Chartres

Montag, den 8. Oktober 2007

Chartres mit Kathedrale (Foto: Philipp Capper)

Manche große Kirche steht in einem erstaunlich kleinen Ort. Nähert man sich dem Städtchen Chartres, ist die Kathedrale Notre-Dame-de-Chartres schon von weitem zu sehen, während sich die Ortschaft erst kurz vor der Kirche auszubreiten beginnt. Rund 42.000 Einwohner zählt die Stadt im Department Eure-et-Loir und beherbergt doch eine der berühmtesten Kathedralen Frankreichs. Heute ist die Kathedrale – wie so viele in Frankreich – der heiligen Jungfrau geweiht. Dabei ist bemerkenswert, dass hier schon in vorchristlicher Zeit eine Weihestädte für die keltische Virgo Paritura (Jungfrau, die gebären wird) bestand. Eine Kirche gibt es in Chartres seit dem 4. Jahrhundert.

(more…)

Ein Meisterwerk Balthasar Neumanns: Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen

Dienstag, den 2. Oktober 2007

Vierzehnheiligen (Foto: Schubbay)

Es ist schon etwas ungewöhnlich, den unterlegenen Konkurrenten eines Architektenwettbewerbes mit der Bauleitung zur Umsetzung des Gewinnerentwurfs zu beauftragen. Das kann gut gehen, tut es aber wahrscheinlich nicht. So war es auch im Fall der Basilika von Vierzehnheiligen bei Staffelstein in Franken. Gewonnen hatte den Auftrag der berühmte Balthasar Neumann (1687-1753), mit der Umsetzung wurde der Verlierer Gottfried Heinrich Krohne (1703-1756) beauftragt, der die Pläne sofort änderte. Aber auch hier war vermutlich der Bauherr nicht ganz unschuldig, der, wie so oft, versuchte die Kosten zu drücken.

(more…)

Nothelfer für Alle: die vierzehn Heiligen

Dienstag, den 2. Oktober 2007

300px-14nothelfer_eitensheim_landkreis_eichstatt.jpgGanz sicher ist es bis heute nicht, welche 14 Heiligen dazugehören und welche nicht, da die Gruppe in ihrer Zusammen- setzung öfter wechselte. Die in der Kirche Vierzehn- heiligen befindliche Gruppe, die sich auch in den meisten spät- und nachmittel- alterlichen Darstellungen findet, wurde wohl im 14. Jahrhundert in Regensburg zusammen- gestellt. Dabei wurde wohl darauf geachtet, dass für alle Stände, möglichst viele Berufsgruppen und die wichtigsten Gefährdungen von Leib und Seele etwas dabei ist.

(more…)

Der Adler: Johannes der Evangelist

Montag, den 1. Oktober 2007

Johannes der Evangelist auf Patmos, Hieronymus Bosch, 1504-1505Während die ersten drei Evangelien Leben und Wirken Jesu beschreiben, beginnt das Evangelium des Johannes mit dem Satz Am Anfang war das Wort. Johannes legte seinen Schwerpunkt auf das gesprochene Wort des Christus.

Da sich Johannes mehr mit dem Geistigen beschäftigte, also dem Sein Christi, und weniger mit dessen Taten, wirkte dessen Evangelium lange nicht so mächtig auf die Kunst, wie das seiner drei älteren Kollegen.

Doch auch bei Johannes gibt es einige Geschichten, die nicht in den anderen Evangelien zu finden sind. So findet sich dort das Nachtgespräch mit Nikodemus, die Fußwaschung beim letzten Abendmahl, die Erscheinung von Maria Magdalena, aber auch die Geschichte des ungläubigen Thomas.

(more…)

Der Stier: Lukas der Evangelist

Montag, den 1. Oktober 2007

Lukas der Evangelist, Guercino, 17. JahrhundertSein Evangelium steht an dritter Stelle im Neuen Testament. Zudem hat derselbe Verfasser die Apostelgeschichte verfasst, indem er die Geschichte des allerfrühesten Christentums erzählt. Lukas hat sein Evangelium mit einem Vorwort versehen. In diesem erwähnt der Evangelist nicht nur, dass er ein anspruchsvolles Werk schaffen will, sondern auch, dass er andere Quellen zur Verfügung hatte. Er bedient sich, wie Matthäus vor ihm, aus dem Markus-Evangelium, aber auch aus der sogenannten Logien-Quelle, die zudem als Quelle Q bekannt ist.

(more…)

Der Löwe: Markus der Evangelist

Montag, den 1. Oktober 2007

Markus der Evangelist, Tilmann Riemenschneider, 1490–1492 (Foto: Andreas Praefcke)Das älteste kanonische Evangelium wurde von Markus geschrieben. Das Werk ist tatsächlich der älteste bekannte Bericht zum Leben und Wirken Christi. Das Markus-Evangelium war für die späteren Matthäus und Lukas die wichtigste Quelle für ihre eigenen Evangelien.

Das Evangelium des Markus beginnt mit Johannes dem Täufer in der Wüste. Es endet mit den Frauen, die sich fürchtend aus dem leeren Grab Christi flüchten.

Markus beschäftigte sich in seinem Evangelium am ausführlichsten mit den vielen Wundern, die Jesus in seiner kurzen Wirkungszeit vollbrachte. In einfacher Sprache soll über die Wunder nachgewiesen werden, dass Jesus tatsächlich der Heiland war.

(more…)