Geht die Gestaltung der Flagge der Europäischen Union (EU) – ein Kranz zwölf goldener Sterne auf blauem Grund – auf die Darstellung der Unbefleckten Empfängnis (Immaculata oder Immaculata conceptio zurück? Was einige nur für eine hübsche Legende halten, ist für andere eine unum- stößliche Wahrheit: 1955 soll, nachdem er an einer Madonna mit dem Sternenkranz vorbeigekommen war, der damalige Pressechef des Europarates, Paul Levy, den Vorschlag mit den zwölf Sternen gemacht haben, der angenommen und später auch für die EU übernommen wurde.
Wie auch immer. Die Unbefleckte Empfängnis oder Immaculata selbst wird zwar schon seit dem frühesten Christentum erörtert, ein Dogma der katholischen Kirche ist sie aber erst seit dem 8. Dezember 1854, seit dem Papst Pius IX. es so beschließen ließ und verkündete.
Ikonografisch geht die Darstellung auf zwei Bibelstellen zurück: eine aus dem Alten Testament und eine aus dem Neuen. In der Vulgata (der lateinischen Bibelübersetzung) steht in Genesis 3,15: Ich will Feindschaft setzen zwischen dir (der Schlange im Paradies) und der Frau …; sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen. Die christliche Theologie verband diese Vorstellung mit der apokalyptischen Frau der Apokalypse des Johannes. In Kapitel 12 Vers 1 steht geschrieben: Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel; eine Frau,
mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Die apokalyptische Frau wurde mit dem Jesus-Kind auf dem Arm als Strahlenkranz- madonna schon im Mittelalter sehr häufig dargestellt, allerdings zumeist ohne den Sternenkranz.
Nun stand Maria ohne Jesuskind auf einer Weltkugel mit Mondsichel. Zu ihren Füßen die Schlange, welche die Jungfrau mit dem Fuß zertritt. Hinter ihrem Rücken die Sonne und der Strahlenkranz, über ihrem Haupt der Kranz der zwölf goldenen Sterne. Weltkugel, Mondsichel und Schlange können aber auch fehlen, der Sternenkranz hingegen selten.
Nach der Gegenreformation, vor allem im Barock und im Rokoko, wurde die Immaculata zum häufigsten Marienbild überhaupt und existiert bis heute in unzähligen Bilder, Statuen und Mariensäulen.
Festtag der Unbefleckten Empfängnis und der Jungfrau, die ohne Sünde empfangen hatte und so Gottesmutter wurde, ist der 9. Dezember.
Bildnachweis: 1
