Neubau mit Fahrstuhl: Dresdener Frauenkirche

Dresdener Frauenkirche„Dann lasst den alten Dickkopf eben stehen.” So wird Friedrich der Große zitiert, als es während des Sieben- jährigen Krieges (1756-1763) seiner preußischen Artillerie am 19. und 20. September 1760 zwar gelang, rund ein Drittel des Bau- bestandes in Dresden zu zerstören, nicht aber die Frauenkirche. Wo die Preußen noch scheiterten, hatten die Bomben des Zweiten Weltkrieges volle Wirkung. Bei der Bombardierung Dresdens vom 13. bis zum 14. Februar 1945 wurde die Frauenkirche schwer beschädigt, sodass sie am Vormittag des 15. Februar in sich zusammenstürzte. Damit endete vorerst die Geschichte der zwischen 1726 und 1743 erbauten Kirche als Gotteshaus, jedoch nicht als Symbol. Über viele Jahrzehnte war die Ruine eine Mahnmal gegen den Krieg. Nach der Wende 1989 entschloss man sich jedoch, die Kirche wieder aufzubauen. Nach einer beispiellosen Spendensammlung in aller Welt konnte die Frauenkirche 2005 aufwendig rekonstruiert neu geweiht werden.


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Die bekannte Frauenkirche im Stil des Barocks, welche am Dresdener Neumarkt steht bzw. stand, war – wie die katholische Bezeichnung nahe legt – nicht der erste Bau an selber Stelle. Seit dem 11. Jahrhundert stand hier eine kleine romanische Kirche, die „unserer lieben Frau“ geweiht war. In die Reformation wurde das Kirchlein lutherisch, war aber im 18. Jahrhundert schließlich so baufällig, dass 1722 der Rat der Stadt Dresden einen Neubau beschloss. Beauftragt wurde der Architekt und Ratszimmermeister George Bähr (1666-1738) mit der Planung. 1726 genehmigte der Rat den Entwurf und noch im selben Jahr konnte der Grundstein gelegt werden. Das notwendige Geld wurde aus einer Spendensammlung zweckentfremdet, den die Dresdener Bürger eigentlich für ihre verfolgten Glaubensbrüder aus dem Salzburger Land gefüllt hatten. 1734 konnte so bereits der Kircheninnenraum geweiht werden.

Schwieriger war die Konstruktion der berühmten Kuppel. Ursprünglich sollte das Gebilde aus Holz bestehen, welches zum Schutz vor dem Wetter mit Kupfer verkleidet werden sollte. Seit 1734 verfolgte Bähr jedoch die Idee mit der Steinkuppel, von der er sich eine größere Wirkung seiner Kirche versprach. Mit Hilfe des sächsischen Königs August des Starken setzte Bähr seinen Entwurf auch durch.

Dresdener Frauenkirche, Altar mit Orgel (Foto: Andreas Thum)Doch schon während des Kuppelbaus zeigten sich erste Risse, sodass der Baubeginn der ab- schließenden Laterne auf 1741 verschoben werden musste. 1743 konnte der Bau mit dem Aufsetzen des Kuppel- kreuzes ab- geschlossen werden – fünf Jahre nach dem Tode des Architekten.

Die Kuppel der Dresdener Frauenkirche ist in dieser Form einzigartig. Während die Kuppel im oberen Teil konvex ist, läuft sie nach unten konkav aus. So bekommt die Kuppel die Form einer Glocke, weswegen wahlweise die Kuppel, aber auch die ganze Kirche als die „Große Glocke“ bezeichnet werden.

Die Frauenkirche ist unabhängig von seiner Kuppel ein Zentralbau, der sich über einem beinahe quadratischen Grundriss erhebt. Durchbrochen wird diese Anlage nur vom halbrunden Chor.

Im Innern wird der Chor von einem monumentalen Barockaltar beherrscht, über dem sich der Orgelprospekt befindet. Vor dem Chor ist eine doppelt gewundene Freitreppe aufgebaut, in deren Mitte sich eine Lesepult befindet. Die Kanzel wurde erst nachträglich an den linken Pfeiler über die Freitreppe gestellt. Akustische Probleme waren der Grund.

Die Bänke des Kircheninneren direkt unter der Kuppel sind konzentrisch auf einen Punkt zwischen dem Lesepult und dem Altar ausgerichtet. Die Bänke zwischen den Pfeilern und dahinter sind auf die Raummitte gerichtet. Die Ausrichtung der Bänke soll den doppelten Schwerpunkt der Kirche betonen: den Altar und das Lesepult.

Der Innenraum der Frauenkirche wirkt nicht nur sehr hoch, er ist es auch. Die Vertikalbewegung wird allerdings noch durch die hohen Pfeiler und die hohen, schmalen Fenster unterstützt.

Die gesamte Kirche ist gut 91 Meter hoch, und zwischen 42 und 50 Metern breit. Die Kuppel beginnt bereits in rund 40 Metern Höhe und hat einen Durchmesser von etwas mehr als 26 Metern. Ihr Gewicht wird auf rund 12.000 Tonnen geschätzt.

Dresdener Frauenkirche, Innenraum (Foto: Hans Peter Schaefer)

Die Probleme mit der Kuppel haben ihre Ursache in einer Fehleinschätzung von George Bähr. Der Architekt nahm an, dass es eine Lastenteilung zwischen den acht Pfeilern und den Außenmauern geben würde. Tatsächlich trugen jedoch die Pfeiler die Hauptlast, wofür sie nicht ausgelegt waren. Vor allem war der verwendete Sandstein zu weich. So begann die Kuppeln sich zu senken und an den Rändern auseinander zu treiben und schon kurz nach Baubeginn waren erste Nachbesserung und auch später noch viele Reparaturen notwendig. Insbesondere tauschte man den ursprünglichen reinen Sandstein in den Pfeilern zunehmend gegen anderes Material aus.

1938 entschloss man sich schließlich dem Problem gründlich und beherzt zu begegnen. Die acht Fundamente der Pfeiler wurden mit Gurtbögen aus Stahlbeton verbunden und die Kuppel bekam einen Ringanker, ebenfalls aus Stahlbeton, der das Auseinandertreiben der Kuppel verhindern sollte. 1942 waren diese Arbeiten abgeschlossen. Was drei Jahre später geschah, ist bekannt.

Dresdener Frauenkirche, Steinlager (Foto: Greg O'Beirne)Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen an der Ruine schon bald erste Sicherungs- arbeiten. So mauerte man 1947 den Rest des Altares ein, um ihn so zu konservieren. Auch wurden 850 Steine ab- transportiert und inventarisiert, wobei ein Teil dieser Seine 1959 in den Brühlschen Terassen verbaut wurden. Treibenden Kraft der Nachkriegszeit war der damalige sächsische Landeskurator Hans Nadler.

1962 gab es Bestrebungen die Ruine endgültig abzuräumen. Es kam jedoch zu Protesten und auch das Geld fehlte. Die nächsten 40 Jahre blieb die Kirche Ruine. 1966 erfolgte die offizielle Ernennung zum Mahnmal. 1980 gab es Bestrebungen staatlicherseits die Kirche mit Hilfe von Geldern aus dem Westen wiederzuerrichten, was jedoch unter anderem am Widerstand der evangelischen Kirche scheiterte.

Nach den Ereignissen des Jahres 1989 wurde 1990 die Initiative „Ruf aus Dresden“ ins Leben gerufen, bei der weltweit um Unterstützung für den Wiederaufbau der Kirche gebeten wurde. 1994 erfolgte die Grundsteinlegung, 1996 begannen die eigentlichen Bauarbeiten. 2005 konnte die neue Frauenkirche geweiht werden.

Die rekonstruierte Kirche ist zwar der alten Frauenkirche sehr ähnlich, ist aber eigentlich ein kompletter Neubau, indem sich modernste Technik verbirgt. So verfügt die Kirche nicht nur über eine leistungsstarke Klimaanlage, sondern sogar über einen Aufzug zur Kuppel. Kritiker sagen bei der „Neuen Frauenkirche“ handelte es sich um einen „Neubau“ in mit „historischem Material“

Der Wiederaufbau begann mit dem Abtragen des Trümmerhaufens. Dabei wurden alle Steine vermessen, katalogisiert und eingelagert. Mit Hilfe komplizierter Computerprogramme konnte ein Großteil der cirka 8.000 Steine tatsächlich an „historischer“ Stelle eingesetzt werden. Dadurch entsteht der heutige Dresdener Frauenkirche, Abbildung von 1880fleckige Farbeindruck. Die alten Steine sind durch oxidiertes Eisen schwarz gefärbt, die neuen noch hell. In einigen Jahren werden sich die Stein- färbungen jedoch angleichen -in Richtung der dunklen Steine. Aus statischen Gründen wurden in der Kuppel nur neue Steine verwendet.

Auch die neue Kuppel wird durch zwei stählernde Ringanker stabilisiert. Die ganze Kirche wird gleichfalls durch ein Stahlgerüst gehalten, welches so konstruiert ist, dass es zugänglich ist und bei Bedarf ausgetauscht werden kann.

Im Innern erhalten haben sich die Reste des Altars von Johann Christian Feige. Sie wurden als Mahnmal in ihrem beschädigten Zustand belassen.

Die Orgel über dem Altar ist keine Rekonstruktion. Erstens war schon die alte Orgel von 1736 seit ihrem Bestehen sieben Mal nachgebessert worden und zweitens wollte man keine reine Barockorgel, sondern ein Instrument, welches auch für jüngere Kompositionen verwendet werden kann. Der Orgel-Prospekt wurde getreu dem Original rekonstruiert.

Auch das Gemälde des Theatermalers Giovanni Battista Grone in der Innenkuppel wurde anhand von Dias rekonstruiert. Zu sehen sind die vier Evangelisten und die personifizierten Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung und Barmherzigkeit.

Ein großes Wunder war, dass während der Bergungsarbeiten in der Ruine das alte Turmkreuz gefunden wurde. Es war aber zu stark beschädigt und wurde durch eine acht Meter hohe Rekonstruktion ersetzt, die ein ehemaliger britischer Bomberpilot des Zweiten Weltkrieges anfertigte.

Einzigartig ist die Finanzierung des Neubaus. Zwei Drittel der Baukosten von rund 179 Millionen Euro kamen durch Spenden zusammen. Den Rest teilten sich die Stadt Dresden, der Freistadt Sachsen und die Bundesrepublik Deutschland.

Frauenkirche Dresden, Abbildung 1991 (Foto: Heinrich Gimmler)

Die Frauenkirche ist auch heute noch ein Mahnmal und zwar ein viel besuchtes. Die Kirche soll gegen den Krieg mahnen und eine Symbol der Versöhnung sein.

Frauenkirche Dresden

Bildnachweis: 123456

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