Mit Paradies: Kloster Maria Laach

Maria Laach, Sicht von Nordwesten (Foto: donarreiskoffer)

Wenn Fürsten-Ehepaare im finsteren Mittelalter keine Kinder bekamen, denen dann auch nichts zu vererbt werden brauchte, entschieden sich viele, vor allem reichere Adlige, ihre Ländereien und Schätze dem eigenen Seelenheil zu vermachen. Das lief dann in der Regel auf eine geistliche Stiftung hinaus; wenn mehr Besitz vorhanden war, sogar oft auf die Gründung eines Stifts oder eines Klosters. Auch das Benediktinerkloster Maria Laach in der Eifel geht auf eine solche Stiftung zurück, die allerdings schon im Jahr 1093 erfolgte. In jenem Jahr setzte Pfalzgraf Heinrich II. von Laach aus dem Hause Gleiberg-Luxemburg und seine Frau Adelheid von Weimar-Orlamünde ihr Vorhaben in die Tat um und bestimmten dafür einen Ort südwestlich des Laacher Sees vier Kilometer nördlich von Mendig. Das Kloster war auch als Grablege der beiden Stifter bestimmt.

Der Bauplatz war dabei nicht schlecht gewählt. Er war gut zugänglich und ein Bach sorgte für Frischwasser. Als Patrone der Klostergründung wurden die Heilige Jungfrau Maria und der heilige Nikolaus gewählt. Der Name des Klosters war zunächst Abbatia ad Lacum, was soviel wie Abtei am See bedeutet. Die Bezeichnung Maria Laach sollte sich erst im 19. Jahrhundert ergeben und ist auf das althochdeutsche Wort laca zurückzuführen.

Damit das von ihm gegründete Kloster auch leben konnte, stattete Heinrich II. seine Gründung mit ordentlichen Ländereien, Wäldern, eines Teils des Laacher Sees und mehreren Dörfern aus. So fehlten auch die Arbeitskräfte nicht.

Schon bald nach der Gründung waren die Fundamente für beinahe die komplette Klosterkirche war fertig. Als Heinrich 1095 starb waren die Mauern der Kirche bis in rund drei Meter Höhe gediehen, im Ostchor waren sie sogar noch ein bisschen höher. Vom Langhaus war allerdings kaum was zu sehen. 1100 starb auch Adelheid auf einer Pilgerreise nach Rom, ohne die Ewige Stadt je erreicht zu haben. Daraufhin wurden die Bauarbeiten zunächst eingestellt. Abgeschlossen waren bis dahin die Kirche bis zum östlichen Querhaus, welches provisorisch mit einem Flachdach versehen wurde, damit die Mönche eine funktionstüchtige Kirche hatten.

Maria Laach, Blick von Westen mit Westwerk und Paradies (Foto: Goldi64)

Schon 1112 erneuerte jedoch der Erbe Heinrichs, Siegfried von Ballenstedt, die Stiftung. Allerdings verschenkte der Pfalzgraf das Kloster an die Abtei Affligem in Brabant. So war das Kloster am Laacher See in den ersten Jahren nur ein Priorat ohne Abt. Erster Abt wurde dann aber schon der vierte Prior, Gilbert von Affligem, der mit vierzig Mönchen von Affligem an den Laacher See gezogen war.

Bald waren die Klosterbauten fertig, von denen sich bis heute aber nichts erhalten hat. Dann gingen auch die Arbeiten an der Klosterkirche weiter. Vor allem Westwerk, Krypta und Langhaus mussten noch vollendet werden. 1139 schenkt Graf Gerhard II. von Hochstaden, ein Neffe des Gründers, dem Kloster den restlichen Laacher See und den Ort Wassenach.

Seit 1138 war das Kloster nun selbständig. 1152 starb der erste Abt Gilbert. Sein Nachfolger Fulbert (1152-1177) erlebte 1156 die Weihe von Krypta, Langhaus und Westchor durch den Erzbischof von Trier. Dabei waren die Türme des Westbaus noch ohne oberste beide Stockwerke und der südliche Flankenturm des Ostbaus fehlte vollständig. Abt Fulbert wurde aber vor allem durch den so genannten Fulbert-Stollen berühmt, der ihm zugeschrieben wird und die Aufgabe hatte, den Wasserspiegel des Laacher Sees zu senken, auch, weil das Kloster trotz der guten Lage beständig unter Hochwasser litt.

1177 konnten dann der Ostchor, die flankierenden Türme der Ostkuppel und die Westempore fertig gestellt werden. Dabei wurden die Bauarbeiten 1170 durch eine Spende der Gräfin Hedwig von Aue befördert.

Maria Laach, Blick im Inneren nach Osten (Foto: Goldi64)

Zwischen 1199 und 1235 gelang auch der Abschluss des Westwerks. 1220 bis 1230 entstand die Nikolauskapelle, die auch heute noch besteht. Zudem entstand in dieser Zeit der berühmteste Teil der Klosterkirche: der Narthex oder das Paradies, welches in der Art eines Atriums westlich des Westwerkes angebaut wurde. Das Paradies umgab einen kleinen Hof, der nicht zugänglich war und als Garten genutzt wurde. Der Gärtner musste jedoch, um den Garten zu erreichen, über eine kleine Mauer klettern.

Zwischen 1230 und 1250 stockte man das Paradies bereits um ein Stockwerk in Fachwerkbauweise auf, um Gästeräume zu schaffen. 1830, nach dem Bau eines neuen Gästetraktes, wurde dieses Extra-Stockwerk allerdings wieder abgerissen. Zwischen 1230 und 1250 wurde im Langhaus der Klosterkirche zudem eine Holzflachdecke eingebaut. Nach 1250 entstand im Kloster auch eine berühmte Schreib- und Malschule. Das berühmteste Werk der Schule war die Gebets- und Gesangsammlung Laacher Sanktuar.

Ab 1256 erfolgten zahlreiche Umbauten im inzwischen modernen gewordenen Stil der Gotik. In die gleiche Zeit fiel eine Erneuerung des gesamten Klosterlebens und der Klosterwirtschaft, unter anderem durch den Ankauf weiterer Güter. Deswegen wird der Abt dieser Zeit, Diedrich II. von Lehmen (1256-1295), auch als zweiter Klostergründer bezeichnet. Nach dieser sehr langen Abt-Zeit folgte ein weiterer Abt mit langer Dienstzeit: Kuno von Lösnich (1205-1328). Er sorgte für eine weitere geistige Blüte des Klosters und baute die Dächer der Türme mit hohen gotischen Hauben aus. 150 Jahre sollte diese Blüte dauern.

Am Ende des Mittelalters war das Kloster Laach eines der Klöster, die sich der Reformbewegung der Bursfelder Kongregation anschließen sollten und galt seitdem als ein Zentrum des monastischen Humanismus.

Das 17. und 18. Jahrhundert brachte dem Kloster in der Eifel einige Einbauten im barocken Stil, vor allem das Chorgestühl und die Kanzel, aber auch barocke Klosterbauten, wie zum Beispiel die Bibliothek.

1801 half dem berühmten Benediktinerkloster sein guter Ruf wenig, als Napoleon das Kloster enteignen ließ und die verbliebenen 17 Mönche ihr Zuhause verloren. 1802 folgte dan die Säkularisation. Alle Immobilien des Klosters wurden zu einer Domäne des französischen Staates. Im selben Jahr wurden auch die Ländereien des Klosters versteigert, was Frankreich einen stattlichen Gewinn einbrachte. Aus den Klostergebäuden sollte im Anschluss eine Haftanstalt werden, was immerhin den Abriss verhinderte. 1815 bestimmte der Wiener Kongress den Übergang des Klosters in das Eigentum des preußischen Staates, der die Immobilien schon bald in privaten Besitz überführen sollte, was aber erst gelang, als die Klosterkirche aus der Versteigerungsmasse herausgenommen wurde.

Maria Laach, Blick von Osten (Bild: Dehio)

Das fortan Rittergut genannte Kloster ohne Kirche ersteigerte Preußens Regierungspräsident in Trier, Daniel Heinrich Delius. Bis 1863 sollten die Klostergebäude nun Privatbesitz bleiben. 1855 entstand eine neogotische Prälatur, nachdem die alte abgebrannt war. 1863 kaufte die deutsche Jesuitenprovinz das Kloster und richtete dort ein Collegium Maximum mit Bibliothek ein und betrieb vom Laacher Kloster aus eine intensive Publizistik. Seit 1863 wird das Kloster auch endlich Maria Laach genannt. Während der Kulturkampf genannten Auseinandersetzungen des Jahres 1892 wurde das Jesuiten-Kollegium geschlossen, wobei die Jesuiten die Gebäude wieder den Benediktinern zur Übernahme anboten. Kaiser Wilhelm II. genehmigte die Übernahme, so dass Maria Laach ab 1892 – zunächst noch einmal als Priorat – wieder von Mönchen besiedelt wurde. Ab 1893 gab es dann wieder die Abtei Maria Laach. Erster Abt wurde Willibrord Benzler, der aber eigentlich schon der 42. war. Die Klosterkirche selbst wurde dem Kloster erst 1924 durch Preußen übereignet, durfte aber schon vorher genutzt werden, allerdings ausdrücklich nur als Simultankirche, was bedeutet, dass evangelische Gottesdienste bei Bedarf von den Benediktinern zugelassen werden mussten, was aber tatsächlich nie notwendig wurde.

Wilhelm II. bestimmte 1905 als Hausherr der Klosterkirche auch die Ausstattung der Klosterkirche mit Mosaiken in der Kalotte der Hauptapsis. Abgebildet wurde Christus als Pantokrator nach dem Vorbild der Kathedrale von Monreale auf Sizilien. Zwischen 1901 und 1913 sowie 1928 und 1929 entstanden mehrere Erweiterungsbauten im Kloster.

1932 erreichte das Kloster seine höchste Mitgliederzahl: 182 Mönche. Im Jahr 1933 fand Konrad Adenauer nach seiner Absetzung als Kölner Oberbürgermeister durch die Nationalsozialisten kurzzeitig Schutz als Bruder Konrad.

1948 gründete man dann ein Institut für Liturgieforschung. Zwischen 1937 und 1956 erfolgten mehrere Renovierungsprojekte.

Die Klosterkirche in Maria Laach ist heute sicher einer der best erhaltenen romanischen Bauwerke in Deutschland. Die Kirche blieb von späteren Umbauten fast völlig verschont. Einige Veränderungen, wie die gotischen Turmdächer und die barocke Erweiterung der Seitenschifffenster wurden im 20. Jahrhundert rückgängig gemacht.

Der Bauplan des Klosters folgt dem St. Gallener Klosterplan. Die Kirche ist aus braun-gelbem Laacher Tuff, weißem Kalkstein aus Lothringen und rotem Kylls-Sandstein dekorativ erbaut. Später verwendete man auch grauen Tuff aus der Eifel und Basaltlava. Das Dach war ursprünglich mit Kupfer gedeckt, bekam aber im 19. Jahrhundert die landesübliche Schieferdeckung.

Die Abteikirche ist eine doppelchorige, dreischiffige Pfeilerbasilika mit zwei Querhäusern und sechs Türmen. Beide Querhäuser verfügen über einen zentralen Turm, der im Westen als Mittelturm, beim Ostquerschiff als Vierungsturm über dem Grundriss eines Oktogons errichtet wurde. Beide Querhäuser werden von je zwei Türmen flankiert.

Auffällig ist, das der Mittelturm im Westen über eine Glockenstube verfügt und von zwei niedrigeren Rundtürmen begleitet wird, der Vierungsturm aber von zwei quadratischen Türmen flankiert wird, die, nachdem die gotischen Dächer wieder entfernt wurden, höher sind als der Vierungsturm.

Der Bau der Abteikirche steht architektonisch in der Tradition der großen rheinischen, romanischen Dome in Speyer, Mainz und Worms. Hier wie dort wurde die romanische Idee der Gottesburg verwirklicht, die in Maria Laach noch durch das kurze Langhaus verstärkt wird.

Symbolisch ist auch die gesamt Konzeption des Kirchenbaus: Während das Westwerk als die gegen den Sonnenuntergang gerichtete dunkele Seite für den Adel als Wehrstand stand, galt die Ostseite als dem Sonnenaufgang zugewandte Seite lichte Seite als Symbol des Klerus und somit des Lehrstandes. Das Langhaus war somit der Mittler zwischen den beiden anderen Ständen und stand für das Volk als Nährstand.

Das Innerere der Abteikirche Maria Laach ist schlicht. Nur wenige Arkaden und Blendbögen gliedern den Bau. Die Einwölbung des Mittelschiffes stammt erst aus dem 13. Jahrhundert. Vorher war hier eine Flachdecke.

Maria Laach, Krypta (Foto: Goldi64)

Im Ostchor hat sich ein wertvoller Ziboriumsaltar aus dem Jahre 1256 erhalten. Ein Ziborium ist ein auf Säulen gestützter Baldachin. Der Altar wurde im 17. Jahrhundert sogar noch erhöht. Das Ziborium überspannt früher am Ostende des dritten Joches im Langhaus das Hochgrab des Klosterstifters, eine Grube mit dem Sarkophag und darüber eine Gründerfigur aus Holz auf der eigentlichen Tumba.

Um 1500 entstanden im Inneren drei bedeutende Pfeilerfresken, die die Heiligen Benedikt, Nikolaus und Christopherus zeigen. Bis in des 16. Jahrhundert hinein gab es auch noch 16 Altäre in der Kirche, die im 17. Jahrhundert entfernt oder gegen andere Altäre im Stil der Zeit ausgetauscht wurden.

Zwischen 1662 und 1668 erfolgte die Barockisierung des Kircheninnern. Dabei wurden der Westchor abgesenkt, der Boden des Langhauses aufgeschüttet und die Fenster in den Seitenschiffen vergrößert. 1775 entstand schließlich der Josefflügel, der an die anderen Klostergebäude angefügt wurde. Architekt des Flügels war Johannes Seiz (1717-1779), ein Schüler Balthasar Neumanns. Der Josefflügel besteht auch heute noch. Von den Klostergebäuden des Mittelalters und der Renaissance besteht jedoch nur die Nikolauskapelle von 1230.

Die barocken Umbauten wurden vor allem im Jahre 1956, dem Jahr des 800. Jubiläums der Erstweihe, wieder beseitigt, was auch die Aufschüttung des Innenraums betraf. Dadurch ähnelt die heutige Innenraumgestaltung der ursprünglichen.

Die im Äußeren mit den typischen, romanischen Lisenen geschmückte Abteikirche von Maria Lach ist dank des einzigen erhaltenen Atrium-Paradieses nördlich der Alpen eine der bedeutendsten romanischen Kirchen in Deutschland. Zudem ist die Kirche immer noch Gotteshaus eines bestehenden Benediktionerklosters, welches tatsächlich eines der reichsten seiner Art in unseren Breiten ist. Das Kloster lebt heute wieder von umfangreichem Landbesitz, welches verpachtet ist und nach ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaftet wird. Das Kloster hat aber auch ein berühmtes Seehotel, eine Gärtnerei, einen Verlag und sogar eine Bronzegießerei.

Kloster Maria Laach

Bildnachweis: 12345

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