Auch in den Evangelien wird von der Herkunft Jesu berichtet, die nicht einfach sein konnte. Während Matthäus seinen Stammbaum mit Abraham begann und David besonders hervorhob, führte Lukas seine Liste sogar bis Adam zurück und betonte damit die Verbundenheit von Jesus mit der gesamten Menschheit.
Benannt ist die Wurzel Jesse nach dem Vater Davids, der im Hebräischen Isai genannt wird. Im alttesta- mentarischen Buch des Propheten Jesaja steht die Zeile, dass aus der Wurzel Jesse ein Reis hervorgehen wird. Auch beim Propheten Jeremia kann man eine Stelle finden, die auf den Messias hindeuten kann: Seht, es kommen Tage, da werde ich für David einen gereichten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln, für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land. Schließlich benennt Paulus Jesus als eben diesen Spross. Die königliche Abstammung Jesu von David rechtfertigt natürlich auch die Bezeichnung König für Jesus.
Im Mittelalter wurden daraufhin Darstellungen beliebt, in denen eben diese Abstammungslinien gezeigt wurden. Dazu wurde Jesse schlafend gemalt, während aus ihm ein Baum wächst, an dem die Vorfahren Christi auf den Ästen sitzen oder die Äste sind. Maria und Jesus finden sich am höchsten Punkt des Baumes.
Die Wurzel Jesse bezog sich zunächst nur auf Josef. Die ewige Jungfräulichkeit Mariens machte es aber erforderlich, auch sie in diesen Stammbaum einzubeziehen.
Besonders häufig findet man das Motiv in der Buchmalerei und auf Glasmalereien. Gelegentlich finden sich am Fuße des Baumes auch die Propheten, welche den Stammbau vorausgesagt haben.
Quelle: Jesaja 11,1-3; Jeremia 23,5; Stammbäume Jesu über Josef: Matthäus 1,1-17: Lukas 3,23.38; Stammbaum Marias: Legenda Aurea: Von der Geburt der seligen Jungfrau Maria
