Ave gratia plena: die Verkündigung
29. April 2008Eines der bekanntesten Themen in der christlichen Kunst ist sicher die Verkündigung. Dabei wird die Szene nur im Evangelium des Lukas erwähnt. Der Erzengel Gabriel erscheint der lesende Maria und kündigt ihr an, dass sie einen Sohn empfangen wird, welcher der Sohn Gottes genannten werden wird, der als König den Thron Davids besteigt und dessen Herrschaft ewig ist. Da für Gott gesagt gleich getan bedeutet, wird Maria im selben Moment vom heiligen Geist „beschattet“ und das Kind wird von ihr „empfangen“.
Schon im 2. Jahrhundert entstehen Schriften, die die Ereignisse ergänzen oder ausmalen. In der bildenden Kunst taucht das Motiv erst im nächsten Jahrtausend auf. Besonders im ausgehenden Mittelalter und in der Renaissance entstehen sehr viele Darstellungen, die zumeist die selben Merkmale tragen. Maria liest in der Haltung einer Andacht in der Bibel - oft die Stelle, in der beim Propheten Jesaja die Ankunft des Messiah weisgesagt wird -, und wird dabei vom Erzengel Gabriel „überrascht“. Als Symbol für die Jungfräulichkeit Mariens im Augenblick der Empfängnis trägt Gabriel zumeist eine Lilie bei sich, die aber auch in einer Vase stehen kann. Der Erzengel kniet oft, um seine Demut gegenüber der zukünftigen Mutter Gottes zu zeigen. Über dem Ganzen schwebt eine Taube als Heiliger Geist, der Maria „beschattet“. Oft ist auch Gottvater zu sehen, wie er den Heiligen Geist als Taube aussendet. Dabei verbinden Lichtstrahlen Gott und die Jungfrau, auf den sich die Taube bewegt.
In Spruchbändern wird der Szene nicht selten ein wichtiger Dialog hinzugefügt. Gabriel sagt dabei: „Ave gratia plena.“ (Gegrüßest seist du, voll der Gnaden.) Maria antwortet: „Ecce ancilla Domini.“ (Siehe, ich bin die Magd Gottes.) Ihr geschehe, was Gottes Wille sei.
Der Festtag der Verkündigung, aber eben auch der Empfängnis, ist der 25. März – genau neun Monate vor Weihnachten.
Quelle: Lukas 1,26-38: Die Verheißung der Geburt Jesu; Legenda Aurea: Von der Verkündigung des Herrn
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