Besuch bei der lieben Cusine: die Heimsuchung

Die Heimsuchung; Detail des Kramerfensters im Ulmer Münster, Peter Hemmel von Andlau, um 1480 Im Evangelium des Lukas folgt auf die Erzählung der Verkündigung eine Episode, in der die nun schwangere Maria die gleichfalls schwangere Verwandte Elisabet besucht. Die Schwanger- schaft der Elisabet war Maria bereits durch den Erzengel Gabriel mitgeteilt worden. Den Grad der Verwand- schaft verschweigt die Bibel allerdings. Erst die Apokryphen geben einen Hinweis: demnach war Elisabet eine Cusine der Maria mütterlicherseits.

Maria besucht Elisabet schon wenige Tage nach der Empfängnis im Haus des Zacharias. Elisabet, die schon eine ältere Frau ist, da ihr und ihrem Mann lange der gewünschte Sohn verwehrt blieb, ist bereist im sechsten Monat schwanger.

Als Elisabet den Gruß ihrer schwangeren Base vernimmt, hüpft in ihrem Leib der ungeborene Johannes (der allerdings noch nicht so heißt) und sie ruft: „Gesegnet bist mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet sei die Frucht Deines Leibes.“ Maria antwortet daraufhin mit dem Magnificat, welches später eine wichtige Rolle in der Marienverehrung spielen sollte: „Meine Seele preist die Größe des Herren,/ und mein Geist jubelt ber Gott, meinen Retter./ Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut./ Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter …“

Lukas vermeldet in seinem Evangelium schließlich, dass Maria drei Monate bei Elisabet geblieben sein soll. Die Apokryphen lassen die Jungfrau auch bei der Geburt des Johannes dabei sein.

In der Kunst wird die Szene als äußerst verinnerlicht gezeigt. Kein Hinweis gibt es auf die Schwangerschaft der beiden Frauen. Sie begegnen sich in den Darstellung oft in großer Herzlichkeit und noch größerer Zuneigung. Die „Heimsuchung“ gilt später auch als eine der sieben Freuden Marias.

Sehr oft wird Maria mit offenem Haar gezeigt und Elisabet mit einer Haube oder einem Kopftuch. Damit wird letztere als verheiratet, erstere aber als jungfräulich gekennzeichnet. Verheiratete Frauen – und als solche bekamen sie ihre Kinder – kamen bekanntlich sprichwörtlich „unter die Haube“.

<Quelle: Lukas 1,39-56: Der Besuch Marias bei Elisabet; Protoevangelium des Jakobus: Von der Geburt Sankt Johannes des Täufers

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