Monatsarchiv für August 2008

Familienbande: die Heilige Sippe

Montag, den 25. August 2008

Hans Thomann: Heilige Sippe; um 1515 (Andreas Praefcke)

Im Neuen Testament wird erwähnt, dass Jesus Brüder und Schwestern hatte. So heißt es im Evangelium des Matthäus (Kapitel 13, Vers 55): „Ist er nicht des Zimmermanns Sohn? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas?“ Da dieser Umstand in einem gewissen Konflikt zur Jungfräulichkeit Mariens stünde, suchte die Überlieferung schon früh nach Lösungsansätzen für das Problem. Die in der Legenda Aurea erwähnte These der dreifachen Heirat der Anna, also der Mutter Mariens, ist zwar nicht sonderlich elegant, war aber mit der Zeit soweit als wahr anerkannt, als wäre es Bestandteil der Bibel.

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Absolut prächtig: Kunst des Barock und des Rokoko

Mittwoch, den 20. August 2008

Caravaggio: Christus an der Säule, um 1607

„Barock“ steht heute als Begriff für überladene Architektur und überbordenden Stuck. Wird vom „Gelsenkirchener Barock“ gesprochen, werden zumeist hässliche Möbel im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts gemeint, die kitschig sind, in spießigen, kleinbürgerlichen Haushalten zu finden sind und tatsächlich frisch aus dem Möbelhaus stammen. Jacob Burckhard, der große schweizer Kunsthistoriker des 19. Jahrhunderts, verwandte „barock“, wenn er die Spätform einer Kunstwicklung sprach. So wird auch von einer „barocken“ Spätgotik gesprochen, als die Formen besonders üppig und geschweift wurden. Doch „Barock“ steht auch für eine Epoche der Kunstgeschichte, die Ende des 16. Jahrhunderts auf den Manierismus folgte, im 17. Jahrhundert vorherrschte und um 1730 vom Rokoko abgelöst wurde, wobei das Rokoko auch als Spätform des Barock betrachtet werden kann.

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Außen streng, innen üppig: Architektur in Barock und Rokoko

Mittwoch, den 20. August 2008

Dom zu Salzburg; Weihe 1628 (Foto: Sir James)

Es ist schon erstaunlich, dass an Wendepunkten von einer Kunstepoche zu einer anderen, immer wieder Bauten entstanden, an denen auch heute diese Wendepunkte noch deutlich sichtbar werden. Für die Gotik war das beispielsweise die Abteikirche in St. Denis. Für den Barock ist es die Jesuitenkirche Il Gesú in Rom. Entworfen wurde die Kirche um 1568 von Giacomo Barozzi da Vignola. Il Gesú wurde Modellbau und Vorbild für unzählige Kirche auch in Deutschland. Kennzeichnend sind das tonnengewölbte Hauptschiff, von dem sich zwischen Pfeilern zahlreiche Kapellen zu beiden Längsseiten öffnen („Wandpfeilerkirche“). Über der Vierung erhebt sich eine große Kuppel. Der Chorraum übernimmt im Wesentlichen die Maße des Hauptschiffes, ist aber reicher gestaltet. Dazu kommt im Chor ein monumentaler Hauptaltar, der als Teil der Architektur empfunden wird. Der ganze Bau Il Gesú ist im Sinne der Gegenreformation dahin ausgerichtet, die ganze Gemeinde und nicht nur ausgewählten Klerikern das Heilsgeschehen teilhaftig werden zu lassen. Im Hauptschiff können sich viele Menschen versammeln; der Altar ist wie eine große Bühne gestaltet und gut einsehbar. Zusätzlich zum Geschehen auf der „Bühne“ erstreckt sich über den Gläubigen ein riesiges Deckenfresko, welches die himmlischen Sphären so zeigt, wie man sie von unten sähe, gäbe es die Decke nicht. Die illusionistische Malerei führt so zu einer „Entgrenzungserfahrung“ beim Betrachter.

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Italiener bevorzugt: Malerei in Barock und Rokoko

Mittwoch, den 20. August 2008

Jüngstes Gericht: Johann Baptist Zimmermann. Deckenfresko in der Wieskirche, 1745-54Während im Manierismus die fürstlichen Kunstsammler ihre Sammlungen gerne in kleinen Kunstkammern aufbewahrten und deshalb kleinere Werke bevorzugten, reichten diese Formate dem absolutis- tischen Repräsen- tations- bedürfnis barocker Herrscher nicht mehr aus. Nun ließen die Fürsten große Galerien bauen, für die sie entsprechende Bilder benötigten. Gemalt wurden solche Werke in großer Zahl in Italien, vor allem in den bologneser, gennueser und römischen Werkstätten. Daraus erklärt sich auch die geringe Bedeutung deutscher Malerei im Barock. Die deutschen Fürsten importierten nämlich nicht nur italienische Kunst sondern auch italienische Künstler, die in ganzen Familienverbänden durch das Land zogen. Der italienische Barock blieb in Deutschland Vorbild in der akademischen Ausbildung sogar bis ins 19. Jahrhundert.

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Dramatisch und fein poliert: Skulptur in Barock und Rokoko

Mittwoch, den 20. August 2008

Ignaz Günther: Schutzengel, Lindenholz gefasst; 1763 (Foto: Andreas Praefcke)Jede Skulptur hat einen für sie selbst stehenden künstlerische Aussage. Wie jedoch schon in der Gotik war die Plastik des Barocks der Architektur mehr oder weniger vollständig untergeordnet und stand in ihrem Dienst. Beliebt waren in den Innenräumen der Kirchen große Altarbühnen, die von einem großen Architektur- rahmen gebildet wurden und von teilweise überlebens- großen Figurengruppen oft sehr zahlreich bevölkert werden. Beliebt waren solche Bühnen vor allem in katholischen Gegenden. In protestantischen Ländern wurde plastische Kunstwerke hauptsächlich in Form großer Emporen und Kanzeln geschaffen.

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Menschliche Grausamkeit: Der Kindermord in Betlehem

Sonntag, den 17. August 2008

Betlehemitischer Kindermord, Guido Reni, 1611-12Gleich nach der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten berichtet der Evangelist Johannes von wohl einem der grausamsten Ereignisse im Neuen Testament. „… und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten.“ Die Kirche betrachtete die ermordeten Kinder später als die ersten Märtyrer und weihte ihnen einen Gedenktag: das „Fest der unschuldigen Kinder“ am 28. Dezember. Darstellungen in der christlichen Kunst gibt es seit dem 5. Jahrhundert.

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Kirche St. Maria zur Wiese (Wiesenkirche) in Soest

Sonntag, den 17. August 2008

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Als erstes fällt der für gotische Kirche - denn um eine solche handelt es sich, wie schon der polygonale Chorschluss im Osten verrät - beinahe gestaucht wirkende Umriss auf: der Grundriss ist - zumindest wann man die westlichen Joche wegdenkt - fast quadratisch. In der Gegend um Soest ist ein solcher Grundriss so typisch, dass er als “westfälisches Quadrat” bezeichnet wird.

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Wilde Tiere, Räuber und Ruhe: Die Flucht nach Ägypten

Freitag, den 15. August 2008

Ruhe auf der Flucht; Albrecht Altdorfer, 1510Ein Engel Gottes bringt Josef die Nachricht, das König Herodes nach dem Kind suchen, wird um es zu ermorden. Josef wird aufgefordert, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen. Matthäus, in dessen Evangelium alleine sich diese Geschichte findet, berichtet nur vom Grund der Flucht und der Rückkehr. Auch hier fügen die Legenden im Laufe der Jahrhunderte viele Episoden hinzu.

So werden die Flüchtenden von Räubern und wilden Tieren bedroht. Einer der Räuber soll sogar Dismas sein, der gerechte Schächer, der am Karfreitag zur rechten Jesu gekreuzigt werden wird. Auf dem Weg stürzen Götzenbilder, eine Dattelpalme neigt ihre Zweige zu Jesus, damit er die Datteln erreichen kann und eine Quelle entspringt in der Wüste. Manchmal wird die Heilige Familie durch die Söhne Josefs aus seiner ersten Ehe begleitet. Auch begegnen sie Elisabeth, der Mutter Johannes des Täufers, und dem Sohn. Die Legenda Aurea berichtet, dass die Familie sieben Jahre in einer Stadt namens Hermopolis verbringt.

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Lichtmess und Mariae Reinigung: Die Darbringung im Tempel

Donnerstag, den 14. August 2008

Die Darbringung im Tempel, Giovanni Bellini, um 1459

Teil der Geschichte ist auch der Reinigungritus Mariens. Die sogenannte Darstellung im Tempel erfolgt dem Gesetz nach am 40. Tag nach der Geburt eines Sohnes. Die Mutter ging in den Tempel und brachte als Opfer zwei Tauben dar. Bis zur Reinigung galt die Frau als unrein. Aufgabe des Vaters war es, die ‚Erstgeburt’ loszukaufen. Als Maria und Josef mit dem Jesus-Kind in den Tempel kommt, führt der Heilige Geist auch den gerechten Simeon dort hin.

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Zum Volk Israels: Die Beschneidung Jesu

Donnerstag, den 14. August 2008

Die Beschneidung des Jesuskind: Guido Reni, 1635-1640Für einen männlichen Juden bedeutete die Beschneidung die Aufnahme in das Volk Israels. Der Evangelist Lukas erwähnt die Beschneidung ausdrücklich, wenn auch nur in einem Satz. Die Beschneidung führte am achten Tage nach der Geburt Joseph durch, der Vater Jesu. Bei Matthäus wird nur die Beschneidung als solche erwähnt. Während des Vorgangs der Beschneidung wird Jesu auch sein Name gegeben.

Im Christentum löst die Taufe die Beschneidung als Aufnahmeritus ab. Die Beschneidung Jesu gewinnt jedoch Bedeutung als das erste Mal, dass das Blut Jesu vergossen wird. Dadurch wird das Messer der Beschneidung zu einem Leidenswerkzeug und der Ritus zu einer der sieben Schmerzen Mariens.

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