Eine wahre Epiphanie: Die Anbetung der Könige
13. August 2008In den Ostkirchen ist der Tag der Heiligen Drei Könige, der 6. Januar, das eigentlich Weihnachtsfest. Gefeiert wird die Epiphanie, die Erscheinung des Herren. Die drei Könige bringen drei Geschenke mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Damit im Zusammenhang steht wohl auch die Dreizahl der Könige. Die Legenden, nicht aber das Evangelium, kennt auch die Namen der Könige: Melchior, Balthasar und Kaspar. Melchior wird von der Überlieferung als König Persiens, Balthasar als König Indiens und Kaspar als König von Arabien angesehen.
Allerdings gibt es auch Legenden, die in den drei Herrschern die Vertreter der drei im Altertum und im Mittelalter bekannten Kontinente betrachten: dabei steht Melchior für Asien, Balthasar für Europa und Kaspar für Afrika. Balthasar ist deshalb in den Darstellungen oft europäisch und Melchior orientalisch gekleidet, während Kaspar als Afrikaner gezeigt wird. Daneben werden die drei Könige auch als drei Lebensalter gesehen.
Die mitgebrachten Geschenke der huldigenden Könige entsprechen durchaus den Gegebenheiten des Altertums. Andere Quellen sahen aber auch den Nutzen der Geschenke: so behob das Gold die Armut der jungen Familie, der Weihrauch verfeinerte den Gestank des Stalls in Bethlehem und die Myrrhe galt als mächtige Heilpflanze.
Die Anbetung des Kindes durch die Hl. Drei Könige war ein beliebtes Thema der Kunst und wurde von den Künstlern immer wieder dargestellt. Vor allem in der italienischen Renaissance konnten viele Künstler der Versuchung nicht widerstehen, auch das Gefolge der Könige zu malen und das oft in den prächtigsten Gewändern.
Oft werden eine Krone oder ein Zepter eines der Könige auf dem Boden vor dem Jesus-Kind liegend gezeigt. So wird gezeigt, dass die ganze Welt – auch die Mächtigsten – dem neuen König huldigen, die Könige aber auch verstehen, wer mächtiger ist als sie.
Nicht nur die Gewänder der Könige und des Gefolges bieten oft wichtige Einblicke in die Mode der Lebenszeit der Künstler. Oft werden die Gefäße, die die Geschenke halten, vor allem in Mittel- und Nordeuropa auch als Beispiele höchster Goldschmiedekunst gezeigt.
Die Darstellung Kaspars als dunkelhäutiger Mensch beginnt im 15. Jahrhundert. Einher geht damit auch die Deutung der drei Könige als Allegorien der Söhne des Noah. Kaspar entspricht dabei dem Sohn Ham, der als Urahn der Afrikaner angesehen wurde.
Die drei Geschenke werden oft auch noch mit weiteren Deutungen versehen. So gilt das Gold als Anerkennung der Herrschaft Christi, der Weihrauch als Anbetung und Verehrung im Priestertum und die Myrrhe als ein in der Einbalsamierung verwendetes Kraut als Zeichen für das Menschsein Christi.
Quelle: Matthäus 2,1-12: Die Huldigung der Sterndeuter; Pseudo-Matthäusevangelium; Legenda Aurea: Von der Erscheinung des Herrn
Diesen Beitrag drucken