Wilde Tiere, Räuber und Ruhe: Die Flucht nach Ägypten

15. August 2008

Ruhe auf der Flucht; Albrecht Altdorfer, 1510Ein Engel Gottes bringt Josef die Nachricht, das König Herodes nach dem Kind suchen, wird um es zu ermorden. Josef wird aufgefordert, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen. Matthäus, in dessen Evangelium alleine sich diese Geschichte findet, berichtet nur vom Grund der Flucht und der Rückkehr. Auch hier fügen die Legenden im Laufe der Jahrhunderte viele Episoden hinzu.

So werden die Flüchtenden von Räubern und wilden Tieren bedroht. Einer der Räuber soll sogar Dismas sein, der gerechte Schächer, der am Karfreitag zur rechten Jesu gekreuzigt werden wird. Auf dem Weg stürzen Götzenbilder, eine Dattelpalme neigt ihre Zweige zu Jesus, damit er die Datteln erreichen kann und eine Quelle entspringt in der Wüste. Manchmal wird die Heilige Familie durch die Söhne Josefs aus seiner ersten Ehe begleitet. Auch begegnen sie Elisabeth, der Mutter Johannes des Täufers, und dem Sohn. Die Legenda Aurea berichtet, dass die Familie sieben Jahre in einer Stadt namens Hermopolis verbringt.

Die Kunst stellte zunächst die Flucht nach Ägypten dar. Zum Bildtypus gehört Maria, die mit dem Kind auf einem Esel reitet, welcher von Josef geführt wird. Hin und wieder wird die Familie durch einen Engel geführt und von Jungen begleitet, die die Söhne Josefs sein können.

Ab dem 14. Jahrhundert kommt ein weiteres Motiv hinzu: die Ruhe auf der Flucht nach Ägypten. Zumeist befinden sich Maria mit dem Kind im Bildmittelpunkt, während Josef etwas abseits ruht. Nicht selten findet sich auf solchen Darstellungen auch das Johannes-Kind. Es ist in der Regel am Kreuzstab zu erkennen, manchmal auch an der Kleidung eines Kamelfells. Die Szene der Fluchtruhe war auch besonders beliebt in der Renaissance und bisweilen im Barock.

Auch Episoden aus den Legenden können im Rahmen der Hauptthemen abgebildet werden. Zu ihnen gehört auch, dass ein Engel die Heilige Familie mit einem Schiff über den Nil setzt.

Quelle: Matthäus 2,13-15; Pseudo-Matthäusevangelium; Legenda Aurea: Von den unschuldigen Kindlein

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