Dramatisch und fein poliert: Skulptur in Barock und Rokoko

20. August 2008

Ignaz Günther: Schutzengel, Lindenholz gefasst; 1763 (Foto: Andreas Praefcke)Jede Skulptur hat einen für sie selbst stehenden künstlerische Aussage. Wie jedoch schon in der Gotik war die Plastik des Barocks der Architektur mehr oder weniger vollständig untergeordnet und stand in ihrem Dienst. Beliebt waren in den Innenräumen der Kirchen große Altarbühnen, die von einem großen Architektur- rahmen gebildet wurden und von teilweise überlebens- großen Figurengruppen oft sehr zahlreich bevölkert werden. Beliebt waren solche Bühnen vor allem in katholischen Gegenden. In protestantischen Ländern wurde plastische Kunstwerke hauptsächlich in Form großer Emporen und Kanzeln geschaffen.

Kennzeichnend für die barocke Plastik sind die freien malerisch und meist stark bewegt gestalteten Figuren, die in Kirchen natürlich oft Heilige abbilden. Dabei konnte sich die Darstellung bis ins Ekstatische steigern. Eine reiche Gestik und aufgebauschte Gewänder erhöhen die durch die Künstler beabsichtige Dramatik. Im Übergang vom Hoch- zum Spätbarock wurden die Darstellungen jedoch leichter und luftiger. Berühmt wurde die barocke Skulptur auch durch die vollendete Oberflächenbehandlung: der Marmor wurde solange poliert, bis er glänzte. Der Glanz unterstreicht noch die Sinnlichkeit der üppig gestalteten Körper. Fixstern der barocken Plastik war Michelangelo als dessen würdiger Nachfolger Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) galt. Der Römer schuf zahlreiche Marmorskulpturen, die in ganz Europa im Stil nachgeahmt wurden.

Altar in St. Ägidien in Heiligenstadt; 1698 (ursprünglich für Quedlinburg geschaffen) (Foto: Michael Sander)In Deutschland fand das Barock in der Plastik erst zur Wende zum 18. Jahrhundert Beachtung, weshalb Werke des Frühbarocks nur als Importe vorkamen. Ein Wegbereiter in Deutschland war der Flame Justus Glesker (1610/20-1678), von dem sich eine Kreuzigungs- gruppe im Bamberger Dom (1648-53) erhalten hat. Berühmte Bildhauer eher säkularer Werke waren Andreas Schlüter (um 1660-1714) in Berlin, Balthasar Permoser (1651-1737) für August den Starken in Dresden und Paul Strudel (1648-1708) in Wien. Auch die Brüder Cosmas Damian (1686–1739) und Egid Quirin Asam (1692–1750) und Joseph Anton Feuchtmayer (1696-1770) zählen zu den wichtigen Künstlern der Epoche, obwohl letztere bereits ins Rokoko verweisen.

Für das Rokoko kann gleichzeitig als Höhepunkt wie auch als Abschluss das Werk des in Bayern wirkenden Ignaz Günthers (1725-75) stehen, dessen bemalte Holzskulpturen eine beeindruckende emotionale Aufladung zeigen.

Bildnachweis: 1 - 2

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