Italiener bevorzugt: Malerei in Barock und Rokoko

Während im Manierismus die fürstlichen Kunstsammler ihre Sammlungen gerne in kleinen Kunstkammern aufbewahrten und deshalb kleinere Werke bevorzugten, reichten diese Formate dem absolutis- tischen Repräsen- tations- bedürfnis barocker Herrscher nicht mehr aus. Nun ließen die Fürsten große Galerien bauen, für die sie entsprechende Bilder benötigten. Gemalt wurden solche Werke in großer Zahl in Italien, vor allem in den bologneser, gennueser und römischen Werkstätten. Daraus erklärt sich auch die geringe Bedeutung deutscher Malerei im Barock. Die deutschen Fürsten importierten nämlich nicht nur italienische Kunst sondern auch italienische Künstler, die in ganzen Familienverbänden durch das Land zogen. Der italienische Barock blieb in Deutschland Vorbild in der akademischen Ausbildung sogar bis ins 19. Jahrhundert.

Die Kennzeichen der barocken Malerei sind die gleichen wie für die Skulptur: bewegte, dramatische Gesten zeigende Figuren in vom Sturm gebauschten Gewändern. Im Spätbarock wurde die Farbe dann so eingesetzt, dass sie zügig aufgetragen wirkte, als im Hochbarock. Sie wirkt luftig, zart und farbenfroh.

Wie schon in die Künstler der voran gegangenen Kunstepochen der Renaissance und des Manierismus, widmeten sich barocke Künstler nicht nur sakralen Themen. Im 17. Jahrhundert gewann vor allem in Holland, später auch in Spanien, die Stillebenmalerei an Bedeutung und fand viele Abnehmer. Auch andere weltliche Genres wie das Porträt oder die Landschaftsmalerei wurde zunehmend beliebter.

Das allgemein als heiter angesehene Barock brachte vor allem in seiner italienischen Frühphase auch die realistisch und etwas düstere Malerei eines Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610), der seine berühmte Hell-Dunkel-Malerei (Chiaro-scuro) entwickelte, die stilbildend in der ganzen Barockmalerei und weit darüber hinaus werden sollte. Wichtige Maler des italienschen Barock waren Domenichino (1581-1641), Guercino (1591-1666), Guido Reni (1575-1642) und Andrea Pozzo (1642-1709).

Adam Elsheimer: Heilige Familie mit Engeln; vor 1600Die protestantischen Fürsten bevorzugten nicht die Italiener, sondern die Flamen und Niederländer. Dort steht im Mittelpunkt der flämischen Malerei Peter-Paul Rubens (1577-1677), der allerdings wichtige Lehrjahre in Italien verbrachte. Wichtige holländische Maler des Barocks waren Anton van Dyck (1599-1641), Franz Hals (1580/85-1666), Jan Vermeer (1632-1675) und natürlich Rembrandt van Rijn (1606-96). Auch in anderen Ländern wirkten bedeutende Maler des Stils: Aus Frankreich stammten Nicolas Poussin (1594-1665) und Claude Lorrain (1600-1682), die beide in Italien starben. In Spanien lebten und malten neben anderen Diego Rodríguez de Silva y Velázquez (1599-1660) und Bartolomé Murillo (1618-1682).

Eine der frühen Ausnahmen erfolgreicherer deutscher Malerei des Barock war der aus Frankfurt am Main stammende Adam Elsheimer (1578-1610), der auch weiterhin auf kleinformatigen Kupfertafeln malte. Er schuf jedoch kleine Werke von großer Monumentalität, wie sie die barocken Auftraggeber eben erwarteten und schuf sich wohl so eine Marktlücke. Auch Elsheimer siedelte später nach Rom über. Der Künstler hatte über zahlreichen zu seinem Werk erstellte Kupferstiche Einfluss auch auf Rubens, Rembrandt, Lorrain und Poussin. Ein andere deutscher Maler der Zeit war Johann Liss (1597-1631), der ebenfalls einige Jahre in Italien verbrachte, wobei er Venedig wählte. Liss wurde berühmt für seine drastischen Bildthemen, wie Judith mit dem Haupt des Holofernes, die er in beschwingter Darstellung ausführte. Auch Johann Heinrich Schonfeld (1609-84) ging nach Rom. Seine komplizierten Bildkonzeptionen verweisen noch auf den Manierismus.

Wie auch die Skulptur war vor allem die sakrale Barockmalerei der Architektur weitestehend untergeordnet. Das schuf jedoch in späten Jahren Arbeitsmöglichkeiten auch für deutsche Künstler, da in barocken Kirchen zahlreiche Fresken ausgeführt werden mussten. Zunächst fanden auch hier vor allem Italiener Aufträge, aber gerade bei den seit dem Spätbarock beliebten Deckengemälden gewannen im Rokoko zunehmend auch einheimische Maler an Bedeutung. Bekannte Namen sind Cosmas Damian Asam (1686–1739), Matthäus Günther (1705-88) und Johann Baptist Zimmermann (1680-1785), die in Bayern wirkten und Franz Anton Maulbertsch (1724-96), der in Wien tätig war.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>