Familienbande: die Heilige Sippe
25. August 2008Im Neuen Testament wird erwähnt, dass Jesus Brüder und Schwestern hatte. So heißt es im Evangelium des Matthäus (Kapitel 13, Vers 55): „Ist er nicht des Zimmermanns Sohn? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas?“ Da dieser Umstand in einem gewissen Konflikt zur Jungfräulichkeit Mariens stünde, suchte die Überlieferung schon früh nach Lösungsansätzen für das Problem. Die in der Legenda Aurea erwähnte These der dreifachen Heirat der Anna, also der Mutter Mariens, ist zwar nicht sonderlich elegant, war aber mit der Zeit soweit als wahr anerkannt, als wäre es Bestandteil der Bibel.
In der sogenannten Trinubium-Legenda wird davon ausgegangen, dass Anna nicht nur mit Joachim, dem Vater der Maria, sondern anschließend zunächst mit Kleophas und später mit Salomas verheiratet war. Aus allen drei Ehen gingen Mädchen hervor, die Maria hießen. Während die erste Maria Josef heiratet und die Mutter Jesu wurde, heiratet die Tochter Kleophas einen Alphäus. Aus dieser Ehe gingen die späteren Apostel Judas Thaddäus und Simon Zelotes, sowie Jakobus der Jüngere und Josef der Gerechte hervor. Die beiden Apostel Jakobus der Ältere und Johannes der Evangelist waren die Söhne der Ehe der dritten Maria, der Tochter Salomas, mit Zebedäus.
Die Darstellung der Heiligen Sippe war vor allem im 15. und 16. Jahrhundert sehr beliebt und entsprang dem Interesse des auftraggebenden Adels an genealogischen Zusammenhängen. Das aufstrebende Bürgertum schloss sich dem an.
Meistens ist die Mutter Jesu im Zentrum der Darstellungen zu sehen, oft mit der Mutter als Anna selbdritt. Die anderen Marien gruppieren sich dann mit ihren Söhnen und ihren Ehemännern rechts und links.
Quelle: Legenda Aurea: Von der Geburt Mariae; Pseudo-Buonaventura (Johannes de Caulibus); Meditationes vitae Christi
Bildnachweis: 1
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