„Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.“ So schildert der Evangelist Johannes (Kapitel 1, Vers 32) den Moment der Taufe. Johannes tritt hier mehr als Zeuge auf und weniger als Handelnder. Beim Evangelisten Matthäus muss Jesus Johannes erst drängen, die Taufe zu vollziehen. Bei Markus tauft Johannes Jesus im Jordan und auch er schildert den Geist, der als Taube zu Jesus herabfährt und eine Stimme sagt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Somit ist die Taufe die Berufung Jesu. Als Vorbild der christlichen Taufe fanden die Ereignisse umfangreichen Einzug in die christliche Kunst.
Obwohl das Thema immer wieder und oft dargestellt wurde, entwickelte sich doch ein ikonografisch ziemlich festgelegtes Grundschema: Jesus steht mit zum Gebet zusammengelegten Händen oder einer Hand zum Segensgestus erhoben, nur bekleidet mit einem Tuch um die Lenden im Jordan, wobei ihm das Wasser selten über die Kniee reicht. Johannes der Täufer, gekleidet in ein Gewand aus Kamelhaar, tauft Jesus mit Wasser aus dem Fluss. Vom Himmel schickt Gottvater – mal zu sehen, oft nicht – den Heiligen Geist, verkörpert durch eine Taube. Gottvater, die Taube, die Hand des Täufers oder die Schale und das Haupt Jesu befinden sich meist in einer Linie, die nicht selten senkrecht ist. Oft sind in den Darstellungen Engel zu sehen, die von rechts auftreten und hin und wieder Jesus das Obergewand reichen.
Darstellungen der Taufe Jesu finden sich besonders häufig in sogenannten Baptisterien, also in Taufkapellen und an Taufbecken oder auf deren Deckeln.
Quelle: Markus 1,9-11; Matthäus 3,13-17; Lukas 3,21-22; Johannes 1,29-34

