“Warum habt ihr Angst?”: Die Stillung des Sturms

Viele Motive aus den Neuen Testament sind seit der Renaissance und im Barock erst richtig beliebt geworden. Andere Themen waren im Mittelalter wesentlich beliebter. Eines von ihnen ist die “Stillung des Sturms”; eine recht dramatische Geschichte, die erstmalig bei Markus auftaucht und in die Evangelien des Matthäus und des Lukas übernommen wurde. Doch auch wenn das Thema mittelalterlich beliebt war, so können gerade die barocken Darstellungen ihr Interesse am tobenden Meer nicht richtig verstecken.

Denn die Geschichte ist auch erzählt nicht ohne Dramatik: Jesus fährt mit seien Jüngern in einem Boot über den See Genezareth. Ein Sturm zieht auf, Wasser schwappt ins Boot. Jesus jedoch legte sich am Heck des Nachen zum Schlafen nieder – auf einem Kissen, wie die Evangelien berichten.

Die Jünger jedoch haben Angst vor dem Sturm und deshalb wecken sie Jesus. Sie befürchten den Untergang. Jesus steht auf und befiehlt dem See, er möge schweigen. Augenblicklich ruht der Sturm und absolute Stille kehrt ein. Zu den Jüngern aber sagt er: „Warum habt ihr Angst? Glaubt ihr immer noch nicht?

Stillung des Sturms: Evangeliar der Hidta, 1000-1025

Nun könnte man meinen, dass die Jünger beruhigt sind, aber ganz im Gegenteil. Denn jetzt ergreift sie die Furcht vor Jesus selbst, da er ihnen unbegreiflich ist. Schli

eßlich erreicht das Boot das andere Ufer.

 

Die ängstlichen Jünger sind ein Symbol für die Gläubigen und ihre Zweifel im Glauben. Die Geschichte kann aber auch für die ganze Kirche in den Stürmen der Zeit stehen. Und nicht selten haben Kirche und Gläubige nicht nur Zweifel am Glauben an der Macht Jesu, sondern selbst in ihn und seine Sendung gehabt.

In der mittelalterlichen Kunst wird Jesus schlafend oder stehend und dem See gebietend dargestellt. Beide Szenen können auch in einer Darstellung zu finden sein. Das Boot kann mit oder ohne Segel sein.

Quelle: Markus 4,35-41; Matthäus 8,23-27; Lukas 8,22-25: Der Sturm auf dem See

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