Von Zopf bis Rundbogen: Architektur des Klassizismus
17. September 2008Ist der Klassizismus schon ein Kunststil, der mannigfaltige Unter- und Oberströmungen, Richtungen und Ausprägungen hatte, so gibt es doch zumindest in der Architektur einen klassischen Klassizismus. Geprägt wird der Baustil vom Vorbild der Front, dem Portikus, des antiken Tempels. Das betrifft nicht nur die Säulen, den Architrav und den Spitzgiebel, sondern auch die klare Schlichtheit der Gestaltung. Hochklassizistische Fassaden sind sehr zurückhaltend dekoriert und strahlen eine kühle Eleganz aus. Die Geschossgliederung ist sehr reduziert. Zumeist findet sich nur ein geschosstrennendes Gesims. Im Kirchenbau werden Säle bevorzugt. Als höherwertige Idealbauten aber gelten überkuppelte Zentralräume.
Ein Beispiel für den Übergang zwischen Rokoko und Klassizismus in Deutschland ist die Klosterkirche in Wiblingen. Die Raumform ist noch Rokoko, das Dekor jedoch schon klassizistisch geprägt. Das wird vor allem an den Deckengemälden sichtbar, die in Wiblingen mit einem eindeutigen, architektonischen Rahmen versehen sind und nichts mehr von der entgrenzten barocken Deckenmalerei zeigen.
Deutlich klassizistisch ist auch die Klosterkirche St. Blasien im Süd- schwarzwald, die zwischen 1768 und 1783 entstand. Der französische Architekt Pierre Michel d’Ixnard errichtete eine grandiose Kuppelkirche, für die das Pantheon in Rom Pate stand. Allerdings strahlt das Gebäude die Kühle gewaltiger und abstrakter Architektur aus.
Streng dem akademischen Klassizismus folgt auch die durch Friedrich Weinbrenner zwischen 1807 und 1816 errichtete Stadtkirche in Karlsruhe.
Diesen Beitrag drucken