Monatsarchiv für September 2008

Von Zopf bis Rundbogen: Architektur des Klassizismus

Mittwoch, den 17. September 2008

Klassizismus, Zopfstil, Stiftskirche St. Jakob in Hechingen, Pierre Michel d’Ixnard, 1780-83 (Foto: Hans G. Müsse)

Ist der Klassizismus schon ein Kunststil, der mannigfaltige Unter- und Oberströmungen, Richtungen und Ausprägungen hatte, so gibt es doch zumindest in der Architektur einen klassischen Klassizismus. Geprägt wird der Baustil vom Vorbild der Front, dem Portikus, des antiken Tempels. Das betrifft nicht nur die Säulen, den Architrav und den Spitzgiebel, sondern auch die klare Schlichtheit der Gestaltung. Hochklassizistische Fassaden sind sehr zurückhaltend dekoriert und strahlen eine kühle Eleganz aus. Die Geschossgliederung ist sehr reduziert. Zumeist findet sich nur ein geschosstrennendes Gesims. Im Kirchenbau werden Säle bevorzugt. Als höherwertige Idealbauten aber gelten überkuppelte Zentralräume.

(more…)

Frauenbewegung: Im Haus von Maria und Marta

Dienstag, den 16. September 2008

Jan Vermeer, Christus im Haus von Marta und Maria, um 1655

Im Neuen Testament wimmelt es von Marias. Auch in dieser Geschichte, die nur vom Evangelisten Lukas erzählt wird, taucht eine auf. Doch das Thema der Erzählung berührt vielmehr eine der Grundthemen der Kirche oder des Christentums. In einem Dorf, welches Jesus besucht, leben zwei Frauen, Maria und Marta, die unterschiedlicher kaum sein können. Die beiden Frauen nehmen Jesus in ihr Haus auf.

(more…)

Fünf Laibe für 5.000: Die wunderbare Brotvermehrung

Dienstag, den 16. September 2008

Giovanni Lanfranco: Vermehrung der Brote und Fische, 1624/25

Wenn Brot vermehrt wird, ist das schon etwas Besonderes. So kennen die Evangelien auch zwei wunderbare Vermehrung des Grundnahrungsmittels. Allerdings taucht die zweite Vermehrung nur bei Markus und Matthäus auf. Hier werden für 4.000 Menschen sieben Brote und einige Fische vermehrt. Die Vermehrung, die von allen vier Evangelisten berichtet wird, betraf fünf Laibe Brot und zwei Fische für 5.000 Hungrige.

(more…)

Ein Palast für die Gegenreformation: El Escorial bei Madrid

Montag, den 15. September 2008

El Escorial (Foto: Foto aérea)

In der Mitte des 16. Jahrhunderts war Spanien auf dem Höhepunkt seiner Macht. 1556 war der 1527 geborene Philipp II. König von Spanien geworden. Sein Vater Kaiser Karl V. hatte ihm ein Weltreich hinterlassenen, indem die Sonne tatsächlich nicht unter ging. Zur gleichen Zeit wurde die katholische Kirche von den Folgen der Reformation erschüttert. Nachdem man lange den Protestanten die Initiative überlassen hatte, begannen nun Kirche und katholische Herrscher zu reagieren. Ergebnis war die Gegenreformation, die von Philipp II., der einerseits sehr fromm und bescheiden, andererseits aber sehr streng und repressiv regierte, massiv unterstützt wurde. 56 Kilometer nordwestlich von Madrid entstand in über 1000 Meter Höhe ein gewaltiger Gebäudekomplex als eindruckvoller Ausdruck spanischer Weltmacht und dem Willen, sich der Reformation entgegenzustellen.

(more…)

Elisabeths Tante: Hedwig von Andechs

Montag, den 15. September 2008

Hedwig von Andechs, Miniatur, 1353, Schlackenwerther CodexHedwig wurde um 1174 auf Schloss Andechs geboren. Sie war eine Tochter Herzog Berthold V. von Andechs-Meran. Sie hatte ein Schwester Gertrud, die Gattin des ungarischen Königs und Mutter der heiligen Elisabeth von Thüringen war. Wie ihre Nichte musste Hedwig als junges Mädchen, nämlich als 12jährige, heiraten. Der Bräutigam war Herzog Heinrich I. von Schlesien. Hedwig gebar ihrem Gemahl sieben Kinder. Während Heinrich sich um den Aufbau seines Landes kümmert, unter anderem, indem er gezielt die Ansiedlung deutsche Siedler fördertet, gründete seine Gattin Klöster, diente den Armen und förderte allgemein die Verbreitung des Christentums in Schlesien.

(more…)

Petrus versinkt: Jesus wandelt über den See

Montag, den 15. September 2008

Konrad Witz: Jesus wandelt über den See und der wunderbare Fischfang, 1444

Jesus hat offensichtlich genug von den Menschen. Nach der wunderbaren Brotvermehrung und der Speisung der 5.000 zieht er sich zurück. Die Jünger jedoch steigen in einen Nachen und versuchen über den See zu fahren. Gegenwind treibt das Boot zurück. In der vierten Nacht kommt Jesus ans Ufer und wandelt den Jüngern über das Wasser entgegen.

(more…)

“Warum habt ihr Angst?”: Die Stillung des Sturms

Montag, den 15. September 2008

Stillung des Sturms: Evangeliar der Hidta, 1000-1025Viele Motive aus den Neuen Testament sind seit der Renaissance und im Barock erst richtig beliebt geworden. Andere Themen waren im Mittelalter wesentlich beliebter. Eines von ihnen ist die Stillung im Sturm. Jesus fährt mit seien Jüngern in einem Boot über den See Genezareth. Ein Sturm zieht auf, Wasser schwappt ins Boot. Jesus jedoch legte sich am Heck des Nachen zum Schlafen nieder.

Die Jünger jedoch haben Angst und wecken Jesus. Sie befürchten den Untergang. Jesus steht auf und befiehlt dem See, er möge schweigen. Augenblicklich ruht der Sturm und absolute Stille kehrt ein. Zu den Jüngern aber sagt er: „Warum habt ihr Angst? Glaubt ihr immer noch nicht? Nun ergreift die Jünger Furcht vor Jesus, da er ihnen unbegreiflich ist. Schließlich erreicht das Boot das andere Ufer.

(more…)

Gespräch am Jakobsbrunnen: Jesus und die Samariterin

Montag, den 15. September 2008

Juan de Flandes: Christus und die Kanaaniterin, 1496-1503Während die Berufung der Matthäus bei allen drei frühen Evangelisten erwähnt wird, Johannes aber schweigt, ist es bei der Geschichte um die Samariterin genau umgekehrt. Jesus begegnet in Samarien in der Nähe des Ortes Sychar am Jakobs- brunnen einer Frau, die er um Wasser bittet, obwohl Juden nicht mit Samaritern verkehren. Im nun folgenden Dialog tauschen die beiden Protagonisten die Rollen.

(more…)

Menschenfischer: Die Berufung der ersten Jünger

Montag, den 15. September 2008

Caravaggio: Berufung des hl. Matthäus, 1599-1600

Petrus und sein Bruder und Jakobus und dessen Bruder Johannes, die Söhne des Zebedäus, wurden von Jesus beim Fischfang zu seinen Jüngern berufen. Er wolle sie zu „Menschenfischern“ machen. So berichten es dir drei ersten Evangelien. Doch Markus, Matthäus und Lukas betonen besonders auch noch eine dritte Berufung: die des Zöllners Matthäus, oder Levi, wie Markus und Lukas in nennen. Matthäus/ Levi wird als Steuerpächter in Kafarnaum bezeichnet.

(more…)

Rein und keusch: Agnes von Rom

Montag, den 15. September 2008

Agnes von Rom, Mosaik, Ravenna, 6. JahrhundertIn ihrer Vita taucht das Lamm gar nicht auf. Trotzdem wurde das wollige Tier zum Attribut der heiligen Agnes, vermutlich aufgrund des ähnlichen Klangs der beiden Begriffe. Lamm heißt auf Lateinisch agnus. Agnes war nichtsdestotrotz die erste Heilige, der überhaupt ein verlässliches Attribut zugeordnet wurde. Ihr Leben ist legendär und die Überlieferungen speisen sich wohl aus den Martyrien zweier Menschen. Im Griechischen bedeutet der Name Agnes übrigens rein oder keusch.

Eine lateinische Überlieferung berichtet von einer Zwölfjährigen, die um 305 unter Diokletian hingerichtet wurde. Eine griechische Legende erwähnt eine erwachsene Jungfrau, welche sich weigerte der Göttin Vesta zu opfern. Daraufhin führte man die Heilige in ein Bordell und entblößte sie dort. Gott jedoch ließ ihr lange Haare wachsen und entsandte einen Engel, der sie in ein weißes Gewand kleidete. Trotzdem versuchte ein Jüngling Agnes zu vergewaltigen, aber es blieb beim Versuch, denn der Junge starb. Agnes erklärte dem Richter, ein Engel Gottes hätte sie als Leibwächter beschützt. Sie sprach zu Gott und der Jüngling wurde wieder zum Leben erweckt.

(more…)