Armut als Reichtum: Franziskus von Assisi
5. Oktober 2009Dass viele Arme reich sein wollen, ist nachvollziehbar. Wollen jedoch Reiche plötzlich arm sein, so werden sie nicht selten für verrückt erklärt. Das ist heute nicht anders, als vor 800 Jahren. So musste auch Giovanni Bernadone, der als Sohn wohlhabender Tuchhändler 1181 oder 1182 im mittelitalienischen Städtchen Assisi in der Region Umbrien geboren wurde. Dabei begann das Leben des kleinen Giovanni, der nach der provencalischen Herkunft seiner Mutter „Franziskus“ gerufen wurde, eher typisch. Franz wurde reich erzogen und lebte eine Jugend als Ritter und Höfling.
1202 jedoch wurde der 23jährige Franziskus in einer Schlacht gefangen genommen und saß ein Jahr in Haft. Er wurde schwer krank und bekehrt. Zurück in Assisi verkaufte er 1207 einige Tuchballen des Vaters, um die kleine Kirche San Damiano restaurieren zu lassen. Vom Vater darauf hin zur Rede gestellt, reißt es sich die Kleider vom Laib, entsagt seinem Erbe und erkennt nur Gott als seinen Vater an. Verspottet und verlacht, beginnt der junge Franziskus, nur in Lumpen gekleidet, um Almosen zu betteln und Buße zu predigen.
Schon bald sammelten sich erste Jünger um den jungen Prediger und Franziskus legte die erste Regel schriftlich nieder, die für die gelten sollten, die mit ihm leben. Mit der Regel gründete Franziskus den „Orden der Minderbrüder“, oder auch „Minoriten“. Die Ordensbrüder wählten daraufhin Franziskus zu ihrem ersten Oberhaupt. Schnell wuchs die Zahl seiner Anhänger und die Mitglieder des neuen Ordens. 1210 erkannte Papst Innozenz III. die Ordensregel an – allerdings zunächst nur mündlich.
Während der Orden weiter wuchs, reiste Franziskus selbst bis nach Jerusalem, wo der den Sultan zu bekehren versuchte. Als er nach Assisi zurückgekehrt war, musste Franziskus die Erfahrung machen, die viele Gründer einer Gemeinschaft vor und nach ihm erleben sollten: es war zu Ordensstreitigkeiten innerhalb der Minoriten gekommen. Nur wenig an weltlichen Dingen interessiert, übertrug Franziskus die Leitung des Ordens an einen Nachfolger. 1223 wurde der Orden endlich auch schriftlich von Papst Honorius III. anerkannt. Im Jahre 1224 empfing Franziskus auf dem Berg La Verna die Wundmale Christi, die jener während der Kreuzigung erlitten hatte.
Franzikus war bereits halb erblindet, als er aus dem Heiligen Land zurückgekehrt war. Die Erblindung verschlimmerte sich noch in den nächsten Jahren. Trotzdem verfasste er noch in San Damiano seinen berühmten „Sonnengesang“ (Cantico delle Creature). Am 3. Oktober 1226 verstarb Franziskus. Schon am 26. Juli 1228 wird Franziskus von Assisi von Papst Gregor IX. Heilig gesprochen.1939 wurde Franziskus zum Patron Italiens ernannt, 1980 erklärte ihn Papst Johannes Paul II. zum Schutzpatron der Ökologen.
Franziskus wird als Gründer der nach ihm auch Franziskaner-Ordens genannten Bettelsmönchsgemeinschaft häufig in der christlichen Kunst dargestellt. Oft findet er sich in Heiligenversammlungen, gut zu erkennen an seinen Merkmalen der grauen Kutte seines Ordens und vor allem der Wundmale Christi.
In der über seinem Grab gebauten Kirche S. Franceso in Assisi hat ab 1296 (vielleicht) Giotto di Bondone (1266-1337) den wohl bedeutendsten Zyklus mit Lebensbildern aus der Vita von Franziskus gemalt. Dort tauchen als Geschichten der Traum von Papst Innozenz III. Auf, wie Franziskus die Kirche stützt. Zu sehen ist die berühmte Vogelpredigt, derer ihn viele als ersten Tierschützer bezeichnen, und andere Legenden aus seinem Heiligenleben.
Attributte: mit den Wundmalen, mit Tieren wie Wolf, Lamm, Fischen und v.a. Vögeln
Patron von Italien und; der Armen, Lahmen, Blinden Strafgefangenen und Schiffbrüchigen; der Weber, Tuchhändler, Schneider, Kaufleute, Flachshändler, Tapetenhändler, Sozialarbeiter; der Sozialarbeit und des Umweltschutzes; gegen Kopfweh und Pest
Tag: 4. Oktober (da er am Abend des 3. Oktober starb und damals der neue Tag am Abend des vorherigen begann)
Diesen Beitrag drucken