Getröstet in Abrahams Schoß: Der arme Lazarus und der reiche Prasser

14. Oktober 2009

Breu, Jörg d. J.: Der reiche Prasser und der arme Lazarus, 1535 Holzschnitt

Das Gleichnis besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil leben beide Nebenfiguren, im zweiten Teil der Erzählung sind beide tot. In der Kunst wurden beide Szenen dargestellt, häufiger jedoch die spätere. Im Gleichnis selbst geht es um einen Vergleich von irdischem und himmlischem Reichtum und um das Schicksal, welches jene erwartet, die ihren irdischen Reichtum etwas überbewerten.

Die Geschichte, die Sondergut des Evangelisten Lukas ist, zeigt zunächst den reichen Prasser, der an einer Tafel sitzt und es sich gut ergehen lässt. Vor dem Tisch liegt der arme Bettler Lazarus und versucht ein paar Brotsamen zu erlangen, die vom Tische fallen. Manchmal wird auch gezeigt, wie Lazarus von Dienern des Prassers verjagt wird.

Im zweiten Teil ist der verstorbene Lazarus zu sehen, wie er im sprichwörtlichen Schosse Abrahams sitzt. Im Gleichnis des Lukas hat die Redewendung ihren Ursprung. Der ebenfalls verstorbene Prasser jedoch erleidet in der Hölle Höllenqualen. Der leidende Prasser sieht jedoch von weitem Abraham und Lazarus. Er bittet Abraham den Lazarus zu ihm zu schicken, damit dieser dem Leidenden im dem in Wasser getauchten Finger die heiße Zunge kühlt. Abraham jedoch antwortet, Lazarus hätte genügend im Leben gelitten und können nun seinen verdienten Trost erhalten. Zudem sei der Abgrund zwischen beiden zu groß, als das Lazarus ihn überwinden können. Die zweite berühmte Redewendung, die vom unüberwindlichen Abgrund, die der Geschichte entstammt, spielt natürlich auf den vermeintlich unüberwindlichen Abgrund an, der beide zu Lebzeiten trennte und den der Prasser errichtet hatte.

Der reiche Prasser bittet Abraham schließlich, er möge doch Lazarus wenigstens zu seinen fünf Brüdern schicken, um sie vor seinem Schicksal zu warnen. Doch Abraham lehnt auch diese Bitte ab. Glaubten die Brüder nicht den Worten Moses und der Propheten, so würden sie auch nicht den Warnungen eines vom Tode Auferstandenen trauen. Kein Wunder also, dass die christliche Kunst, den zweiten Teil des Gleichnisses bevorzugt darstellte.

Quelle: Lukas 16,19-31: Das Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus

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