Das Gleichnis besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil leben beide Nebenfiguren, im zweiten Teil der Erzählung sind beide tot. In der Kunst wurden beide Szenen dargestellt, häufiger jedoch die zweitere. Im Gleichnis selbst geht es um einen Vergleich von irdischem und himmlischem Reichtum und um das Schicksal jener, die ihren irdischen Reichtum etwas überbewerten und andere Menschen etwas unterbewerten.
Das Gleichnis, welches Sondergut des Evangelisten Lukas ist, erzählt zunächst vom reichen Prasser, der an einer festlichen Tafel sitzt und es sich gut ergehen lässt. Vor dem Tisch liegt der arme Bettler Lazarus und versucht ein paar Brotsamen zu erlangen, die vom Tische fallen. Lazarus hat offene Beine und Hunde lecken die Wunden. (Manchmal wird in Darstellungen auch gezeigt, wie Lazarus von Dienern des Prassers verjagt wird.)
Im zweiten Teil des Gleichnisses sitzt der verstorbene Lazarus im Schosse Abrahams. In diesem Gleichnis hat die Redewendung ihren Ursprung. Der ebenfalls verstorbene Prasser jedoch erleidet in der Hölle Höllenqualen. Der leidende Prasser sieht jedoch von weitem Abraham und Lazarus. Er bittet Abraham, den Lazarus zu ihm zu schicken, damit dieser dem Leidenden mit seinem in Wasser getauchten Finger die heiße Zunge kühle. Abraham jedoch antwortet, Lazarus hätte im Leben genügend gelitten und könne nun seinen verdienten Trost erhalten. Zudem sei der Abgrund zwischen beiden zu groß, als das Lazarus ihn überwinden können.
Die zweite berühmte Redewendung des Gleichnisses, die vom unüberwindlichen Abgrund handelt, spielt natürlich auf den vermeintlich unüberwindlichen sozialen Abgrund an, der Lazarus und den Prasser zu Lebzeiten trennte, den der Prasser aber selbst errichtet hatte.
Der reiche Prasser bittet Abraham schließlich, er möge doch Lazarus wenigstens zu seinen fünf Brüdern schicken, um sie vor seinem Schicksal zu warnen. Doch Abraham lehnt auch diese Bitte ab. Glaubten die Brüder nicht den Worten Moses und der Propheten, so würden sie auch nicht den Warnungen eines vom Tode Auferstandenen trauen. Kein Wunder also, dass die christliche Kunst den zweiten Teil des Gleichnisses und seinen Ruf zur Umkehr bevorzugt darstellte.
Quelle: Lukas 16,19-31: Das Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus

