Rosen und Äpfel: Dorothea
10. Januar 2010Es ist oft erstaunlich, mit wie viel Phantasie und Erzählkraft vor allem in den Heiligenlegenden frühchristlicher Märtyrer von Folter und Tod geschrieben wird. Auch die hl. Dorothea wurde nicht nur einmal und einfach gemartert und hingerichtet, sondern gleich mehrfach und sehr einfallsreich. Dabei zählt auch die hl. Dorothea zu den vielen Jungfrauen, die sich schon in jungen Jahren zur Ehelosigkeit um des Himmels willen entschlossen hatten. Leider führten auch im Fall der Dorothea Schönheit und Liebreiz dazu, dass sich ein Statthalter in sie verliebte und furchtbar an ihr Rache übte, als er in zurückgewiesen wurde.
Die Familie der Dorothea, deren Name soviel wie „Geschenk Gottes“ bedeutet, soll der Legende nach zum Ende des 3. Jahrhunderts nach Caesarea (das heutige Kayseri in der Türkei) in Kappadokien gezogen sein, um den Christenverfolgungen unter dem römischen Kaiser Diokletian zu entkommen. In Caesarea wurde dann um 290 auch Dorothea geboren, in die sich schon als 14jährige der Stadthalter Fabricius (oder Abricius) verliebte. Dorothea jedoch wies den Statthalter aus den schon genannten Gründen zurück, woraufhin Fabricius das junge Mädchen vor Gericht stellte.
Nun begann die Foltergeschichte der Dorothea. Zunächst wurde sie in siedendes Öl getaucht, entstieg dem Bad aber wie mit Balsam gesalbt. Dann warf man sie ohne Essen und Trinken für neun Tage in einen lichtlosen Kerker, dem sie schöner noch als zuvor entstieg. Daraufhin bat Dorothea ihren „himmlischen Gemahl“ um ein Zeichen. Der ließ seine Engel ein Götzenbild von seiner Säule stoßen, woraufhin sich viele Zeugen bekehrten.
Fabricius wurde daraufhin richtig wütend. Er ließ Dorothea an einen Folterblock hängen, ihre Brüste mit Fackeln versengen und geißeln. Halbtot wurde das Mädchen in einen Kerker geworfen, den sie am nächsten Tag gesund und blühend wieder verließ.
Jetzt griff sich der Statthalter die beiden Schwestern der zukünftigen Heiligen, die zwar zeitweilig vom Glauben abgefallen waren, sich aber wieder bekehrt hatten. Fabricius ließ die Schwestern ins Feuer werfen und verbrennen.
Dorothea jedoch sollte enthauptet werden. Sie aber freute sich auf die Leiden, die sie aus Liebe zu ihrem Herrn erleiden dürfe. In Jesu Garten werde sie nach ihrem Tod Rosen brechen und Äpfel pflücken. Diese Worte hörte der anwesende Theophilus, der Dorothea verhöhnte. Sie möge ihm doch aus dem Jenseits Äpfel und Rosen schicken. Als Dorothea zum Richtblock geführt wurde, erschien plötzlich ein goldgelockter Knabe. Dann wurde Dorothea enthauptet. Der Knabe aber ging zu Theophilus und brachte ihm Rosen und Äpfel. Theophilus wurde bekehrt, gemartet, getauft, enthauptet und zerstückelt den wilden Tieren vorgeworfen.
Die Verehrung der Heiligen begann schon früh. Gemeinsam mit Theophilus tauchte sie in einer dem heiligen Hieronymus zugeschriebenen Schrift über die Märtyrer auf, die um 392 entstanden ist und sehr einflussreich war.
Ab dem 14. Jahrhundert wird die Legende der Dorothea auch in deutschen Prosadichtungen und Versen besungen. Gemeinsam mit der hl. Barbara und der hl. Katharina von Alexandrien zählt sie zu den drei Virgines Capitalis. den drei wichtigsten heiligen Jungfrauen und wurde zu einer der am häufigsten dargestellten Heiligen des Mittelalters.
Die Attribute der Heiligen sind das Körbchen mit den Rosen und den Äpfeln.
Sie ist Patronin der Blumengärtner und -händler, Bierbrauer, Bergleute, Bräute, Neuvermählten und Wöchnerinnen; gegen Armut, falsche Anschuldigungen, Geburtswehen und Todesnöte.
Tag: 6. Februar
Diesen Beitrag drucken