Jesus ist wütend: die Tempelreinigung
17. Februar 2010Die Tempelreinigung ist ein schönes Beispiel dafür, wie den Evangelisten zwar die selben Geschichten zur Verfügung standen, sie diese aber völlig unterschiedlich einordneten. Während die drei ersten Evangelisten die Erzählung recht weit an den Anfang ihrer Passionsgeschichten stellten, findet sich das Ereignis bei Johannes schon am Anfang seines Evangeliums, gleich nach dem ersten Wunder während der Hochzeit zu Kana. Insgesamt bleibt das Erzählte gleich oder zumindest ähnlich, jedoch dient die Geschichte bei Markus, Matthäus und Lukas noch einem anderen dramatischen und theologischen Zweck.
Insbesondere lieferte Jesus mit seinem Verhalten nämlich den Hohenpriestern einen Anlass, seiner habhaft zu werden, um ihn letztendlich verurteilt töten zu können. Denn Jesus betrieb durchaus Kritik an den durch den Hohenpriestern zugelassenen Sitten im Tempel, worauf die Todesstrafe stand. Dabei trieben es die Händler und Wechsler im Vorhof des Tempels wirklich bunt. Sie verkauften vor allem alle möglichen Tiere, die geopfert werden sollten und wechselten Geld. Jesus vertrieb nun diese Händler und Wechsler aus dem Tempel. „Macht das Haus meines Vaters nicht zur Markthalle!“ rief er ihnen zu. Mit der symbolischen „Reinigung“ kritisierte er aber nicht nur die Hohepriester, sondern prophezeite gleichzeitig, dass der Tempel zerstört und durch Gott neue errichtet werden würde. Sowohl die Reinigung als auch die Zerstörungsprophezeiung spielten dann eine wichtige Rolle in den Anklagen gegen den gefangenen Jesus.
Für die Künstler vor allem des Barocks war die Erzählung eine gute Gelegenheit, einmal einen etwas ausgreifenderen Jesus darzustellen. In den Darstellungen wird Jesus deshalb meist energisch und wütend gezeigt, wie er mit einer Peitsche die Händler und Wechsler aus dem Tempel vertreibt. Interessanterweise folgten die Künstler hierin der ausführlichen Darstellung im Evangelium des Johannes, obwohl seine Erzählung nicht im Passionszusammenhang steht, auch wenn sie sicher nicht daraus zu lösen ist: „Und im Tempel traf er auf die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und auf die Wechsler, die dasaßen. Da machte er eine Peitsche aus Stricken und trieb alle aus dem Tempel hinaus, auch die Schafe und die Rinder, und das Geld der Wechsler schüttete er aus, die Tische stieß er um; und zu den Taubenverkäufern sprach er: Schafft das fort von hier!“
Hin und wieder findet sich die Szene auch an den Eingangpforten von Kirchen, zum Beispiel als Fresko. An dieser Stelle sollte und soll die Tempelreinigung die Gläubigen ermahnen, weltliches Interessen aus dem Gotteshaus fern zu halten.
Quellen: Markus 11,15-19; Matthäus 21,10-17; Lukas 19,45-48; Johannes 2,13-17
Diesen Beitrag drucken
