Zerrissen: Der Verrat durch Judas

19. Februar 2010

Nikoloj Nikolajitsch Ge: Das Gewissen, Judas, 1891

Auf Darstellungen der Jünger Jesu ist Judas Iskariot nicht selten einfacher zu erkennen als Petrus oder Paulus. Zumeist wird Judas hässlicher als die anderen Jünger, oft in einem gelben Gewand und nicht selten mit dem Beutel abgebildet, der die 30 Silberstücke enthält. Gelb ist dabei ein Symbol für den Neid und die Eifersucht. Es war aber auch die Farbe des Gewandes, den Juden im mitteleuropäischen Mittelalter gezwungen wurden zu tragen.

In der christlichen Kunst wurde Judas also zu vielen Zeiten auch benutzt, um den Juden als Ganzes die Schuld am Tod Jesu zuzuschieben. Da passte es natürlich auch gut, Judas mit den Zügen des Teufels darzustellen. Das Gelb zur stigmatisierenden Kennzeichnung von Juden fand im 20. Jahrhundert späte Nachahmer.

In den Evangelien wird vom Verrat des Judas zu Beginn der Passionsgeschichte berichtet. Judas geht dabei zu den Hohepriestern, die eine Möglichkeit suchen, Jesus mit einem Trick festnehmen und verurteilen zu können. Da bietet ihnen Judas durch seinen Verrat die passende Gelegenheit. Nur Matthäus berichtet vom Lohn, den Judas empfängt: 30 Silberlingen. Die gleiche Summe bekam damals jemanden als Entschädigung, wenn ihm versehentlich ein Sklave getötet worden war.

Doch auch wenn Judas als eine eindeutige Gestalt erscheint, war sein Handeln doch dramatisch. Während in den ersten drei Evangelien Judas vor dem letzten Mal („Abendmahl“) zu den Hohepriestern geht, geschieht es bei Johannes erst im Anschluss. Nach Johannes fährt der Satan beim letzten Mal erst in Judas, als Jesus ihm einen Bissen Brot reichte, welches ihn als Verräter kenntlich machen soll. Somit kann Judas auch als notwendiger Bestandteil im Heilsplan gesehen werden. Der Verrat hat dann den Kreuzestod Jesu erst ermöglicht.

Besonders beeindrucken in der Kunst sind deshalb die Darstellungen, die Judas als vielschichtigen Charakter zeigen, der durch seine Tat innerlich zerrissen wird.

Quelle: Markus 14,10-11; Matthäus 26,14-16; Lukas 22,3-6; Johannes 13,21-30: Jesu Hinweis auf den Verräter

 

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