Der Knecht ist nicht größer als sein Herr: Die Fußwaschung

25. Februar 2010

Duccio di Buoninsegna: Die Fußwaschung; um 1300

Direkt im Anschluss an das letzte Mal (Abendmahl) berichtet nur der Evangelist Johannes von einer äußert bedeutsamen Geste Jesu: er steht vom Tisch auf, legt sein Gewand ab, umgürtet sich mit einem Leinentuch, füllt Wasser in eine Schüssel und wäscht und trocknet seinen Jüngern die Füße. Petrus kann diese Handlung gar nicht fassen. Dass sein Herr ihm, dem Knecht, die Füße waschen will, ist außerhalb seiner Vorstellung.

Wichtig für das Verständnis der Szene ist dabei der Gedanke, dass in der Antike die Füße als einer der unreinsten Teile des Körpers galten. Die Füße eines anderen Menschen zu berühren, kam einer äußersten Erniedrigung gleich. Im zweiten Teil der biblischen Erzählung erklärt und lehrt Jesus deshalb seinen Jüngern, was die Tat bedeutet: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der Apostel nicht größer als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr dies wisst – selig seid ihr, wenn ihr’s tut.“ Am Gründonnerstag eifert der Papst auch heute noch mit seinen Bischöfen dieser Tat Jesu nach und wäscht anderen Menschen die Füße. Im Orient gilt die Fußwaschung heute jedoch auch als ein besonderes Zeichen der Gastfreundschaft.

Die Fußwaschung durch Jesus wird bildlich mit der Reinigung von den Sünden gleich gesetzt. Auch deshalb hat die Kunst die Szene gerne seit dem 4. Jahrhundert aufgenommen. Oft wird der Moment gezeigt, in dem sich Jesus dem Petrus zuwendet und dieser sagt: „Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen!“ Seltener wird die anschließenden Erklärung dargestellt. Hin und wieder sieht man eine Szene, in der sich die Jünger für die Fußwaschung gleichsam ihren Sünden ihre Sandalen abstreifen.

Quelle: Johannes 13,1-20

 

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