Saul war der erste König Israels. Allerdings hat Gott Saul schon recht bald seine Gunst entzogen und – ohne dass Saul davon wusste – David zum neuen König ersehen (1. Samuel 16,1). Als ob dieser Umstand für Saul nicht schon schwer genug zu ertragen war, schickte Gott dem Saul auch noch einen bösen Geist, der ihn ängstigte (1. Samuel 16,14).
Sauls oberste Leute erkannten den bösen Geist und rieten dem Saul einem Harfenspieler suchen zu lassen, der Saul mit seinem Spiel aufheitern würde. Die Knechte Sauls fanden – David. Zu ihm lies Saul senden und David kam an den Hof Sauls und spielte ihm vor. Das Spiel Davids verschaffte Saul tatsächlich Erleichterung.
David aber war noch unbekannt. Erst jetzt erzählt die Bibel von seinem Kampf und seinem Sieg gegen Goliath (1. Samuel 17). Daraufhin gewinnt David nicht nur die Freundschaft des Saulsohns Jonathan, sondern Saul schickt den jungen Mann in viele Kämpfe, die David alle siegreich besteht.
Aber wie das nun eben ist: Kam David von einem seiner Siege zurück, kamen ihm in allen Städten die Frauen mit Gesang und Tanz entgegen und feierten den schönen Sieger. Auch unterließen es die Frauen nicht die 10.000 Erschlagenen des David gegen die 1.000 des Sauls aufzurechnen (1. Samuel 18.7). Saul wurde nicht nur eifersüchtig, sondern begann zu ahnen, dass David einst das Königtum zufallen würde. “Und Saul sah David scheel von dem Tage an und hinfort.” (1. Samuel 18,9 LUTHER 1984).
Auch kam wieder der böse Geist über Saul und brachte ihn zur Raserei. An einem dieser Tage spielte David dem Saul vor. Dieses Mal konnte das Spiel den bösen Geist nicht mildern. Stattdessen hatte Saul einen Spieß in der Hand. Mit dem Spieß versuchte Saul zweimal David zu töten. David aber konnte ausweichen. Da bemerkte Saul, dass Gott mit David war und begann sich vor David zu fürchten. Saul schickte David fort und machte ihn zum Anführer von tausend Mann.
Das Gemälde Rembrandt Harmenszoon von Rijn (1609-69) entstand ca. 1629, also relativ früh im Schaffen des großen niederländischen Malers des Barock. Rembrandt sollte das Thema zwischen 1655 und 1660 noch einmal aufgreifen.
Die Szene eröffnet sich (in beiden Bildern) beim Harfenspiel Davids vor Saul. Allerdings sind es nicht die ersten Spiele, als die Musik Sauls Leid noch lindern konnte. Denn zu sehen ist Saul nicht nur mit dem Spieß in der Hand, mit dem er gleich versuchen wird David zu töten. Zu sehen ist Saul auch im Zustand äußerste Erregung. Seine rechte Hand umklammert den Spieß. Beinahe scheint man die Knöchel weiß werden zu sehen. Neben der rechten ist die linke Hand im Griff zu sehen. Sie umklammert die Armlehne des Thrones.
Auch der Gesichtsausdruck Sauls ist voller Spannung. Der Betrachter vermag die Eifersucht und auch den Tötungswillen deutlich zu erkennen. Gleich wird Saul aufspringen und den Spieß nach David stoßen oder werfen.
David selbst ist kaum zu erkennen. Er wendet dem Betrachter beinahe den Rücken zu und scheint in sein Spiel vertieft zu sein. David sitzt niedriger als Saul und vor allem in direkter Reichweite zum Spieß. Saul braucht nur vorzutreten, um David niederzustrecken.
Auf dem Gemälde Rembrandts sind Saul als alter Mann mit grauem Bart und David als junger Mann mit vollem, schwarzen Haar dargestellt. Dem einen gehört die Zukunft, während der andere schon beinahe Vergangenheit ist. Dem Gewand Sauls kann man seinen Bedeutungsverlust nicht ansehen. Es ist prächtig dargestellt und in gleißendes Licht getaucht. Der rote Übermantel scheint Saul mit David zu verbinden. Beinahe scheint es, als würde der Mantel und mit ihm das Licht zu David hinüber gleiten. Denn neben Saul sind nur noch die Harfe in Licht und die Hände Davids in Licht getaucht. Die Harfe und das Spiel darauf werden so auch zum Zeichen des Übergangs der Gunst Gottes von Saul auf David.
