Archiv der Kategorie ‘Funktionsraum Kirche‘

Barmherzig: das Chorgestühl

Montag, den 23. April 2007

S. Maria in Organo, Verona. Tafel aus dem Chorgestühl des Fra Giovanni da Verona, 1494-1499 (Foto: Thomas Rohark)Die vielen Messen und Stundengebete im Tagesverlauf konnten für die hohe Geistlichkeit mitunter sehr anstrengend werden. Im 13. Jahrhundert begann man, die Chorräume mit Gestühlen auszustatten. Die sogenannten Chorgestühle bestehen aus einer oder zwei Sitzreihen, die längs an den Chorwänden errichtet wurden. Hinter den Stuhlreihen hingen zu Beginn oft gewebte Teppiche mit Bilddarstellungen. Da sich die Teppiche im Rücken der Sitzenden befanden, wurden sie ‚Dorsale’ genannt (dorsum – lateinisch für Rücken). Später bestanden die Dorsalen aus dem gleichen Material wie das Chorgestühl selbst, zumeist Holz. Die einzelnen Stühle werden im übrigen Stallen genannt.

(more…)

Gründonnerstag: der Altar

Donnerstag, den 5. April 2007

Hochaltar der Marienkirche in Krakau, Veit Stoß, 1477-1489: Schnitzaltar und Flügelaltar, das Hauptbild zeigt Maria Himmelfahrt, die Flügel Szenen aus dem MarienlebenAm Gründonnerstag feiert die Christenheit die Einsetzung eines ihrer zentralen Sakramente. Es ist der Jahrestag des Ereignisses, welches dem Karfreitag vorausging: das letzte Abendmahl. In der katholischen Kirche wird das Abendmahl oder die ganze Messe auch als Eucharistie bezeichnet. Das Sakrament der Eucharistie ist das Altarsakrament.

Für die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland ist das Abendmahl von zentraler Bedeutung, auch um die Unterschiede zwischen beiden Konfessionen herauszustellen.

Bereits vor dem Christentum gab es Altäre. Sie waren Orte, an dem Gottheiten verehrt und auf denen den Gottheiten Opfer dargebracht werden konnten.

Am christlichen Altar wird dem Opfer Jesu gedacht, welches er am Kreuz für die Menschheit erbrachte. Mit dem Abendmahl vergegenwärtigen sich die Christen dieses heilbringenden Opfers und gedenken seiner. Während des Abendmahls ist Christus tatsächlich gegenwärtig. Wie und welcher Form ist unter den Konfessionen umstritten.

Da der Altar an das letzte Abendmahl erinnert, wird er auch als Mensa, bzw. Tisch bezeichnet. Somit erinnert der Altar oder der Tisch an die gleichberechtigte Gemeinschaft um Jesu Christi und der Gläubigen.

(more…)

Was ist das eigentlich: eine ‘Kirche’?

Montag, den 12. Februar 2007

Was ist eine Kirche? Ein Raum zum Gebet? Ein Raum für den Gottesdienst? Das Wort „Kirche“ jedenfalls ist griechischen Ursprungs. Es leitet sich von „kyriake“ ab, was dem Herren gehörig bedeutet.

Kirche ist zweierlei: zum einen ist es eine Organisationsform, in der sich Christen zu einer Gemeinschaft zusammenschließen. Zum anderen bezeichnet der Begriff den Raum, in dem Christen sich versammeln, neben anderem um Gottesdienste zu feiern.

In anderen Religionen werden religiöse Handlungen nicht immer vor den Gläubigen ausgeübt. Das gilt auch für untergegangene Religionen, wie den römischen Götterglauben. Die Römer kannten Tempel, in denen sie selbst kleinere religiöse Handlungen verrichten konnten. Die wichtigeren Zeremonien fanden aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Einige waren sogar in ihrem genauen Ablauf geheim.

Das Christentum entstand bekanntlich vor rund 2000 Jahren in der Gegend, wo sich heute Israel befindet. Von dort breitete es sich rasch in alle Himmelsrichtungen aus, nicht zu letzt - nach christlicher Überlieferung - durch das Wirken der Apostel.

Bekannt ist auch, dass das Heilige Land damals von den Römern besetzt war. Das römische Imperium, welches halb Europa und den ganzen Mittelmeerraum einnahm, trug durch seinen Strom an Waren und Menschen maßgeblich zur Verbreitung des Christentums bei. Die Stadt Rom war das Zentrum der (bekannten) (westlichen) Welt. Auch in Rom und Italien entstanden schnell christliche Gemeinden. Die Apostel Petrus und Paulus starben um das Jahr 63 n.Chr. während der Christenverfolgungen des Nero.

Die frühesten christlichen Gemeinden trafen sich noch in Privathäusern. Da das Christentum bis zur Konstantischen Wende 313, als Kaiser Konstantin die noch junge Religion offiziell im Römischen Reich zuließ, oft Verfolgungen ausgesetzt war, war natürlich an Kirchenbauten in Rom nicht zu denken.

Später wurden Kirchen hin und wieder über solchen Privathäusern gebaut. Ein berühmtes Beispiel ist die Kirche San Clemente in Rom.

Ein großer Unterschied kann sehr fein sein: von Säulen und Pfeilern

Montag, den 12. Februar 2007

Wir haben schon erfahren, dass in großen Kirchenbauten Mittel- und Seitenschiffe von Säulen oder Pfeilern getrennt wurden. Worin besteht nun der Unterschied zwischen beidem? Wahrscheinlich könnte man sagen, dass alle Säulen einen runden Querschnitt haben. Dann sind Pfeiler alles, was keinen runden Querschnitt hat. Allerdings gibt es hier im Gebrauch beider Begriffe Überschneidungen.

Gehen wir der Einfachheit einfach davon aus, dass eine Säule um eine Säule genannt zu werden, zusätzlich zum runden Querschnitt auch noch aus den drei klassischen Bestandteilen einer Säule bestehen muss: Unten befindet sich die Basis, die rund, aber auch eckig sein kann. Darüber kommt die eigentliche Säule, hier „Schaft“ genannt. Oben drauf auf dem Schaft sitzt das Kapitell, auf dem wiederum zumeist das lagert, was von der Säule gestützt werden soll.

Der Schaft ist oft nach oben verjüngt. Zudem finden sich oft am Schaft Längsrillen, die Kanneluren genannt werden (oder ‘Kannelüren’). Die Säule ist dann kanneliert.

Das Kapitell, in der Aussprache übrigens auf dem ‚e’ betont, ist in der Baugeschichte sehr offensiv gestaltet worden. In der Romanik wurden Kapitelle sogar als Bildträger verwendet, auf den ganzen Geschichten erzählt wurden.

Wahrscheinlich ist Ihnen noch die Unterteilung in dorische, ionische und korinthische Kapitelle in Erinnerung. Alle drei Formen sind auf die griechische Antike zurückzuführen. Dorische Kapitelle sind sehr schlicht und unverziert und ionische Kapitelle zeigen eine doppelte Spiralform, so eine Art ‚Locken’ auf zwei Seiten. Die korinthischen Kapitelle sind die aufwendigsten. Sie zeigen einen Blattschmuck, der auf eine Mittelmeerpflanze zurückgeht, die Akanthus (Acanthus mollis L.) genannt wird. Vor allem korinthische Kapitelle finden wir auch im europäischen Kirchenbau.

Die frühe Romanik – auch Ottonik genannt - erfand eine eigene für die Stilepoche sehr charakteristische Kapitellform: das Würfelkapitell.

Doch Säulen und Pfeiler müssen nicht nur als ganze Säulen und Pfeiler vorkommen. Insbesondere Säulen wurden auch oft Pfeilern oder Wandflächen als halbe Säulen einfach vorgestellt. Solche Halbsäulen haben sehr oft nur eine dekorative Funktion. Sie gliedern die Wandflächen optisch. Die gleiche Funktion haben auch die sogenannten Pilaster. Hierbei handelt es sich eine Art abgeflachte Halbsäulen, die über alle Eigenschaften einer Säule verfügen – Basis, Schaft mit Kanneluren, und Kapitell – außer, dass sie einen runden Querschnitt haben. Auch Pilaster haben vor allem dekorative Funktion und unterteilen als vertikale Elemente Wandflächen. Pilaster gab es schon in der Antike. In der Renaissance, die sich ja auf die Antike bezog, wurden sie zu einer der hauptsächlichen Gestaltungselemente.

Es versteht sich von selbst, dass ein Kirchengebäude, welches als Basilika gebaut wurde einen anderen Raumeindruck hat, als eines, dass als Halle errichtet wurde. Wie der Name ‚Halle’ schon andeutet, ist der Raum einer Hallenkirche wesentlich großzügiger, eben ‚halliger’ und auch lichter. Ebenso verhält es sich bei der Verwendung von Säulen oder Pfeilern. Trennen Pfeiler, vor allem solche, die wie Wandteile aussehen, Mittel- und Seitenschiffe, wirken die einzelnen Schiffe wesentlich einzelräumlicher. Besonders in der Romanik wurde diese Bauform verwendet. Die Baugeschichte von der frühen Romanik zur späten Gotik kann dann auch als eine Entwicklung beochbachtet werden, in der sich die Grenzen zwischen Mittel- und Seitenschiffen immer weiter auflösen bis bei den spätesten Hallen der Eindruck eines einzelnen Raumes entstanden war. Zwar wurden auch in diesen Fällen Pfeiler verwendet, die aber dann rund im Querschnitt und sehr schlank wurden.

In der Romanik kam man irgendwann auf die Idee (die nach der Antike vergessen worden war), dass nicht nur Pfeiler verwendet werden müssten. Auch nur Säulen wären langweilig gewesen. So entwickelten die Baumeister den ‚Stützenwechsel’, wobei sich im wesentlichen zwei Formen finden:

  • die Reihenfolge ist abwechselnd: eine Säule folgt auf einen Pfeiler. Dieser Wechsel wird ‚rheinischer’ Stützenwechsel genannt.
  • Auf einen Pfeiler folgen zwei Säulen, auf die wieder ein Pfeiler folgt. Diese Folge wird ‚sächsischer’ oder ‚westfälischer’ Stützenwechsel genannt.