Archiv der Kategorie ‘Ikonografie‘

Die Menschheit braucht Fürbitte: die Deesis

Montag, den 2. Juli 2007

Deesis, Mosaik in der Hagia Sophia, 14. Jahrhundert, Istanbul (Foto: Georges Jansoone)

Zum Jüngsten Gericht wird Christus als Weltenrichter kommen, um zu richten über die Lebenden und die Toten. Soweit bekannt. In der byzantinischen Kunst entwickelte sich aus spätantiken Huldigungsszenen zu diesem Thema die sogenannte Deesis. Das Wort déesis kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Bitte“ oder „Gebet“. Eine Deesis zeigt Christus im Zentrum als Weltenrichter. Zu seiner Rechten (der Linken des Betrachters) steht seine Mutter, die Jungfrau Maria. Zur Linken Christi (der Rechten des Betrachters) befindet sich Johannes der Täufer. Beide werden dargestellt, wie sie sich Christus zuwenden. Maria und Johannes der Täufer stehen in der Deesis als Führbittern der Menschheit während des Jüngsten Gerichts.

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Finsteres Mittelalter: Ecclesia und Synagoge

Dienstag, den 26. Juni 2007

Synagoge, um 1230, Straßburger Münster (Foto: Rama)Eigentlich bedeuten beide Begriffe etwas Ähnliches, wenn nicht sogar das Gleiche. Das Wort ekklesía als Begriff für ‚die Kirche’ kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie die Herausgerufene. Die alten Griechen nannten so ihre Volks- versammlungen oder auch den Versamm- lungsplatz. Schon Paulus hat die Gemeinschaft der Christen als ekklesía bezeichnet. So hat es sich auch in andere Sprachen überliefert. Während unser Wort Kirche aus dem Mittelhochdeutschen stammt, sagen zum Beispiel die Franzosen église. Das Wort Synagoge geht gleichfalls auf ein griechisches Wort zurück: synagogé. Auch dieser Begriff steht für Versammlung oder Versammlungsort. In der christlichen Kunst werden beide – die Ecclesia und die Synagoge – als Frauen dargestellt.

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Sichere Verdammnis: Die sieben Todsünden

Dienstag, den 29. Mai 2007

Die sieben Todsünden (Mitte) und die vier letzten Dinge (außen), Hieronymus Bosch, um1450

Als der Mensch noch im Paradies lebte, war nicht nur die Welt noch in Ordnung, sondern der Mensch mit sich im Reinen. Nichts herrschte im Übermaß, alles war im Gleichgewicht, auch die Liebe des Menschen zu sich selbst, zu den Dingen und zu den anderen Kreaturen. Doch mit der Erbsünde kam die Begierde in den Menschen. Die Begierde des Fleisches führte zu Völlerei und Wolllust, die Begierde der Augen wurde zu Geiz und die Begierde des Geistes entwickelte sich zu Geltungssucht, geistiger Trägheit, Neid und Zorn. Sieben Begierden, die zu den Sieben Todsünden wurden, die eigentlich gar keine Sünden sind, sondern nur schlechte Charaktereigenschaften, oder Hauptlaster, die wiederum zu den Sünden führen.

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Männer mit Amphoren: Die vier Paradiesströme

Dienstag, den 15. Mai 2007

Das Paradies, die vier Paradiesflüsse und die Paradiespforte, Meister der Predigten des Mönchs Johannes Kokkinobaphos, 12. Jahrhundert

Das Paradies ist ein Garten, der wie alle Gärten ordentlich Wasser braucht. Zu diesem Zwecke entspringt im Paradies aus einem Felsen ein Fluss, der den Garten bewässern soll. Doch dieser Fluss teilt sich schon im Paradies noch vier Mal in die berühmten vier Paradiesströme, die aus der heiligen Schrift alle namentlich bekannt sind. So umfließt der Fluss Pischon das Land Hawila und der Strom Gihon fließt um Äthiopien. Leider gibt es heute keine Flüsse mehr, die Pischon oder Gihon genannt werden, so dass gerätselt werden musste und muss, welche Flüsse gemeint sein könnten. Der jüdisch-römische Geschichtsschreiber Josephus (um 38 – 100 n.Chr.) identifizierte den Pischon als Ganges und den Gihon als Nil, doch die Zuschreibung ist selbstverständlich umstritten.

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Nach der Apokalypse ein neues Paradies: das himmlische Jerusalem

Sonntag, den 6. Mai 2007

Das neue Jerusalem (ein Engel vermisst die Stadt), spanischer Teppich, 1047

Gemäß der Offenbarung des Johannes, der Apokalypse also, wird nach dem Jüngsten Gericht auf Erden eine neue Stadt entstehen: das neue Jerusalem oder auch das himmlische Jerusalem. Die Stadt wird nach dem siegreichen Endkampf Gut gegen Böse, oder Gott gegen den Teufel, aus dem Himmel hernieder fahren. Auch Paulus spricht in seinen Briefen an drei Stellen von der neuen Stadt.

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Großmutter mit Tochter und Enkel: Anna selbdritt

Montag, den 30. April 2007

Anna selbdritt, Nikolaikirche Stralsund, Ende 13. Jahrhundert (Foto: Klugschnaker)Im 13. Jahrhundert entwickelt sich vor allem in Deutschland eine besondere Form des Andachtsbildes: die Mutter Marias erscheint mit Maria und dem Jesuskind in einer Darstellung, der sogenannten Anna selbdritt. Das Wort selbdritt ist hierbei ein veralteter Ausdruck für zu dritt.

Entstanden ist das Andachtsbild aus der Annenverehrung, die aber im 13. Jahrhundert zunehmend durch die Marienverehrung ergänzt wird. Ausgangspunkt ist die allgemeine Anerkennung der jungfräulichen Empfängnis Mariens. Neben Deutschland findet sich die Anna selbdritt auch in den Niederlanden, aber auch in Spanien und Italien. Im 14. Jahrhundert gewinnt die Annenverehrung deutlich an Schwung, wobei oft eine Anna selbdritt im Mittelpunkt der Altäre steht.

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10 + 8 = christliche Zahlensymbolik

Montag, den 23. April 2007

Klosterkirche Fontenay, Westfront (Foto: Sven O. Lohmann)Das Zisterzienser-Kloster in Fontenay im Burgund. Fenster in der Ostfassade, Fenster in der Westfront. Einfach nur ein paar Fenster? Wahrscheinlich nicht. Denn die Zisterzienser bevorzugten – zumindest zu Beginn ihrer Ordensgeschichte zwar Klöster ohne Bilder. Nur eine Madonnenstatue durfte den Kirchraum schmücken. Doch ganz auf Symbolik wollten die Mönche doch nicht verzichten. So bedienten sie sich einer ausgefeilten Zahlensymbolik. Die Fenster in Fontenay können also auch ‚gelesen’ werden.

Im Westen befinden sich insgesamt sieben Fenster in zwei Streifen mit einmal drei und einmal vier Öffnungen. Im Osten wird die Chorwand von sechs Fenstern in je zwei Streifen durchbrochen. Darüber befinden sich noch einmal fünf Fenster in einer Reihe.

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Das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen

Freitag, den 20. April 2007

Die klugen Jungfrauen (drei von fünf), Magdeburger Dom, um 1250„Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst. Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“

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Der Erlöser am Kreuz: das Kruzifix

Samstag, den 7. April 2007

Kruzifix mit Passionsszenen, Luccheser Meister, um 1250 – romanisches Kruzifix, Jesus steht entspannt und schaut als Christus triumphans den Betrachter direkt an, vier NägelDie Kreuzigung ist erst seit der Ottonik und insbesondere der Romanik ein beherrschendes Thema der christlichen Kunst. Das Kruzifix, die Darstellung von Christus am Kreuz, wird zum zentralen Andachtsbild in den christlichen Kirchen. Deshalb muss das Kruzifix wie auch alle seine Sonderformen besonders viele und bedeutenden Aussagen der christlichen Glaubenslehre zum Ausdruck bringen. Und die zentralen Elemente sind nun mal die Erlösung der Menschheit von den Sünden durch den Tod Christi und der Sieg Christi über den Tod durch die Auferstehung.

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Kirche und Gläubige: die Kreuzigungsgruppe

Samstag, den 7. April 2007

Kreuzigung(sgruppe), Meister des Mailänder Stundenbuches, um 1430-1434 – die Kreuzigung ist vorüber, Jesus ist Tod, die Hohepriester und die Menge begibt sich wieder nach Jerusalem; zurück bleibt eine ‚Kreuzigungsgruppe’ mit Maria und Johannes in der klassischen AnordnungFür die Kirchen entscheidend war eine Episode aus dem Evangelium des Johannes. Nach Kapitel 19 (Verse 26 und 27) sah der am Kreuz hängende Jesus seine Mutter und seinen Lieblingsjünger Johannes unter dem Kreuz stehen. Zu Maria sagt er, Johannes sei von nun an ihr Sohn. Zu Johannes sagt er, Maria sei von nun an seine Mutter. In der kirchlichen Tradition steht Maria dabei als Symbol für die (Mutter) Kirche; Johannes wiederum steht als Symbol für den Gläubigen oder die Gemeinde der Gläubigen. Jesus hat am Kreuz also kurz vor seinem Tode Gläubige und Kirche in eine untrennbare Mutter-Sohn-Beziehung gestellt.

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