Archiv der Kategorie ‘Stilkunde‘

Renaissance der griechischen Antike: Kunst des Klassizismus

Mittwoch, den 17. September 2008

Stadtkirche Karlsruhe, 1807-16, Friedrich Weinbrenner (Foto: Martin Dürrschnabel)

Zum Ende des 18. Jahrhunderts neigte sich der Absolutismus seinem Ende zu. Die Auflösung der alten Ordnung sollte sich explosionsartig 1789 in der Französischen Revolution entladen. Doch schon der Preußenkönig Friedrich II. konnte sich augenscheinlich nicht recht entscheiden, ob er lieber das Volk gängeln oder ein aufgeklärter Monarch sein wollte. Begleitet wurde die Entwicklung von einer selbstbewusster werdenden Wissenschaft, die nicht nur die Natur, sondern auch die Geistesgeschichte in einem neuen Licht betrachtete. Eine der wichtigsten Gestalten war der Archäologe Johann Joachim Winkelmann (1717-68), der der Antike in der Öffentlichkeit einen neue Stellenwert geben wollte. Die römische Antike war seit der Renaissance nie ganz aus dem Blickfeld geraten, Winkelmann jedoch legte den Fokus auf die griechische Klassik. Und so könnte der ganze Klassizismus beschrieben werden: Als eine Stilrichtung, in der das klassische Griechenland zum Programm erhoben wurde. Womit auch schon der Hauptunterschied zum folgenden Historismus erwähnt wäre. Im weiteren Sinne umfasst der Klassizismus aber die Zeit zwischen 1770 und 1830.

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Von Zopf bis Rundbogen: Architektur des Klassizismus

Mittwoch, den 17. September 2008

Klassizismus, Zopfstil, Stiftskirche St. Jakob in Hechingen, Pierre Michel d’Ixnard, 1780-83 (Foto: Hans G. Müsse)

Ist der Klassizismus schon ein Kunststil, der mannigfaltige Unter- und Oberströmungen, Richtungen und Ausprägungen hatte, so gibt es doch zumindest in der Architektur einen klassischen Klassizismus. Geprägt wird der Baustil vom Vorbild der Front, dem Portikus, des antiken Tempels. Das betrifft nicht nur die Säulen, den Architrav und den Spitzgiebel, sondern auch die klare Schlichtheit der Gestaltung. Hochklassizistische Fassaden sind sehr zurückhaltend dekoriert und strahlen eine kühle Eleganz aus. Die Geschossgliederung ist sehr reduziert. Zumeist findet sich nur ein geschosstrennendes Gesims. Im Kirchenbau werden Säle bevorzugt. Als höherwertige Idealbauten aber gelten überkuppelte Zentralräume.

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Absolut prächtig: Kunst des Barock und des Rokoko

Mittwoch, den 20. August 2008

Caravaggio: Christus an der Säule, um 1607

„Barock“ steht heute als Begriff für überladene Architektur und überbordenden Stuck. Wird vom „Gelsenkirchener Barock“ gesprochen, werden zumeist hässliche Möbel im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts gemeint, die kitschig sind, in spießigen, kleinbürgerlichen Haushalten zu finden sind und tatsächlich frisch aus dem Möbelhaus stammen. Jacob Burckhard, der große schweizer Kunsthistoriker des 19. Jahrhunderts, verwandte „barock“, wenn er die Spätform einer Kunstwicklung sprach. So wird auch von einer „barocken“ Spätgotik gesprochen, als die Formen besonders üppig und geschweift wurden. Doch „Barock“ steht auch für eine Epoche der Kunstgeschichte, die Ende des 16. Jahrhunderts auf den Manierismus folgte, im 17. Jahrhundert vorherrschte und um 1730 vom Rokoko abgelöst wurde, wobei das Rokoko auch als Spätform des Barock betrachtet werden kann.

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Außen streng, innen üppig: Architektur in Barock und Rokoko

Mittwoch, den 20. August 2008

Dom zu Salzburg; Weihe 1628 (Foto: Sir James)

Es ist schon erstaunlich, dass an Wendepunkten von einer Kunstepoche zu einer anderen, immer wieder Bauten entstanden, an denen auch heute diese Wendepunkte noch deutlich sichtbar werden. Für die Gotik war das beispielsweise die Abteikirche in St. Denis. Für den Barock ist es die Jesuitenkirche Il Gesú in Rom. Entworfen wurde die Kirche um 1568 von Giacomo Barozzi da Vignola. Il Gesú wurde Modellbau und Vorbild für unzählige Kirche auch in Deutschland. Kennzeichnend sind das tonnengewölbte Hauptschiff, von dem sich zwischen Pfeilern zahlreiche Kapellen zu beiden Längsseiten öffnen („Wandpfeilerkirche“). Über der Vierung erhebt sich eine große Kuppel. Der Chorraum übernimmt im Wesentlichen die Maße des Hauptschiffes, ist aber reicher gestaltet. Dazu kommt im Chor ein monumentaler Hauptaltar, der als Teil der Architektur empfunden wird. Der ganze Bau Il Gesú ist im Sinne der Gegenreformation dahin ausgerichtet, die ganze Gemeinde und nicht nur ausgewählten Klerikern das Heilsgeschehen teilhaftig werden zu lassen. Im Hauptschiff können sich viele Menschen versammeln; der Altar ist wie eine große Bühne gestaltet und gut einsehbar. Zusätzlich zum Geschehen auf der „Bühne“ erstreckt sich über den Gläubigen ein riesiges Deckenfresko, welches die himmlischen Sphären so zeigt, wie man sie von unten sähe, gäbe es die Decke nicht. Die illusionistische Malerei führt so zu einer „Entgrenzungserfahrung“ beim Betrachter.

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Italiener bevorzugt: Malerei in Barock und Rokoko

Mittwoch, den 20. August 2008

Jüngstes Gericht: Johann Baptist Zimmermann. Deckenfresko in der Wieskirche, 1745-54Während im Manierismus die fürstlichen Kunstsammler ihre Sammlungen gerne in kleinen Kunstkammern aufbewahrten und deshalb kleinere Werke bevorzugten, reichten diese Formate dem absolutis- tischen Repräsen- tations- bedürfnis barocker Herrscher nicht mehr aus. Nun ließen die Fürsten große Galerien bauen, für die sie entsprechende Bilder benötigten. Gemalt wurden solche Werke in großer Zahl in Italien, vor allem in den bologneser, gennueser und römischen Werkstätten. Daraus erklärt sich auch die geringe Bedeutung deutscher Malerei im Barock. Die deutschen Fürsten importierten nämlich nicht nur italienische Kunst sondern auch italienische Künstler, die in ganzen Familienverbänden durch das Land zogen. Der italienische Barock blieb in Deutschland Vorbild in der akademischen Ausbildung sogar bis ins 19. Jahrhundert.

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Dramatisch und fein poliert: Skulptur in Barock und Rokoko

Mittwoch, den 20. August 2008

Ignaz Günther: Schutzengel, Lindenholz gefasst; 1763 (Foto: Andreas Praefcke)Jede Skulptur hat einen für sie selbst stehenden künstlerische Aussage. Wie jedoch schon in der Gotik war die Plastik des Barocks der Architektur mehr oder weniger vollständig untergeordnet und stand in ihrem Dienst. Beliebt waren in den Innenräumen der Kirchen große Altarbühnen, die von einem großen Architektur- rahmen gebildet wurden und von teilweise überlebens- großen Figurengruppen oft sehr zahlreich bevölkert werden. Beliebt waren solche Bühnen vor allem in katholischen Gegenden. In protestantischen Ländern wurde plastische Kunstwerke hauptsächlich in Form großer Emporen und Kanzeln geschaffen.

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Oft Importware: Skultpur und Malerei des Manierismus in Deutschland

Freitag, den 14. September 2007

Augustus und die Sibylle von Tibur, Antoine Caron, um 1580 (Zur Abwechslung: Manierismus aus Frankreich)

Genau wie in der Architektur, wo das antike Modell im antiklassischen Sinn erweitert wurden, wird auch in der figürlichen Kunst der Naturalismus der Renaissance übersteigert. Ziel ist es tatsächlich, die Natur, also das Natürliche, zu überwinden. Mit dem Geschaffenen soll nicht einfach das Existierende abgebildet werden, sondern das Schöpfungsprinzip oder einfach das Göttliche gezeigt werden.

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Von natürlich zu übernatürlich: deutscher Manierismus

Donnerstag, den 13. September 2007

Das jüngste Gericht, Jacob de Backer, um 1580 (ein niederländisches Beispiel)Früher als Spätphase der Renaissance betrachtet, wird der Manierismus – egal ob der italienische oder der deutsche – heute als eigene Kunstform betrachtet. Das hat seine Ursache vor allem an der zwischen beiden Epochen geänderten Geisteshaltung. Während in der Renaissance die Rückbesinnung auf die Antike und ein mit beträchtlicher Individualisierung einhergehender Humanismus als Ideale angestrebt wurden, stand im Manierismus ganz die Gegenreformation im Mittelpunkt, also eine Art nach vorne gewandter Rückbesinnung. Betont wurde nicht mehr die Natur und das Natürliche im Menschen, sondern das Übernatürliche und das Göttliche in Allem.

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Knorpelig: Architektur des deutschen Manierismus

Mittwoch, den 12. September 2007

Portalwappen des Achtermannschen Hauses in Braunschweig, mit Rollwerk, Beschlagwerk, Ohrenwerk und bestimmt auch Knorpelwerk, 1626-1630 (Foto: Brunswyk)In der Architektur verfolgte der Manierismus zwei Trends. Vor allem im Süden kam der italienische Manierismus als Bauidee mit den Jesuiten über die Alpen. Kennzeichen der Bauten dieser Zeit ist – ähnlich wie in Italien – eine monumentale Formensprache. Der Zentralbau der italienischen Renaissance verändert sich zum Langbau des italienischen Manierismus. Beispiele sind vor allem die Kirche St. Michael in München (1583-97) und das Mausoleum für Ferdinand II. in Graz (1614-38), welches schon zum Frühbarock vermittelt.

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Sehr häufig: Kirchenausstattung der deutschen Renaissance

Mittwoch, den 12. September 2007

Altarretabel von 1602 in der Kirche in Glienicke bei Storkow in Brandenburg, Figuren älter (Foto: S.O.Lohmann)Doch Elemente der Architektur müssen nicht auf Bauten beschränkt sein. Die Renaissance hat zwar in Deutschland nur wenige Kirchen hinterlassen, dafür aber umso mehr Ausstattungs- stücke in Form von Kanzeln, Taufbecken, Emporen, Gestühl, Hochaltäre, aber vor allem Epitaphe.

Die Epitaphe der Renaissance zeigen zumeist einen eindeutig antikisierenden Aufbau, an dem die Epoche gut zu erkennen ist. In der Regel bestehen sie aus einem Architekturrahmen in klassischer Säulenordnung. Säulen oder Pilaster tragen das Gebälk auf dem wiederum (aber nicht immer) ein Spitzgiebel sitzt. Diese Elemente können auch zu mehreren übereinander angeordnet sein.

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