Wie die karolingische Kunst nach den Karolingern wurde die Ottonik nach den Ottonen benannt, auch wenn das nicht so schön klingt. Die Ottonen selbst nannten sich nach ihrem Stammvater Liudolf Liudolfinger. Die Liudolfinger kamen aus Sachsen und die Kaiser, die aus diesem Geschlecht hervorgingen, werden auch als sächsische Kaiser bezeichnet. Der erste Ottone hieß Heinrich und da noch ein zweiter folgte, nannte ihn die Nachwelt Heinrich II. Auf Heinrich folgen drei Ottos, wobei der erste Otto später der Große genannt wurde. Das von seinem Vater begonnenen Werk der Ungarnbefriedung setzte Otto fort, indem er das kriegerische Nomadenvolk am 10. August 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg vernichtend
schlug. Unter Otto dem Großen gewann das von Karl dem Großen neubegründete Römische Reich neue Stärke. Indem Otto seinen Sohn Otto (den späteren II.) mit einer byzantinschen Prinzessin verheiratete, nämlich der berühmten Theophanu, holte er mit ihr auch byzantinische Einflüsse in die deutschen Lande. Otto II. verstarb früh, sein Sohn war noch ein Kind und so stritten sich Theophanu und ihre Schwiegermutter Adelheid zunächst über die Macht im Reich, bis sie sich zum Wohle ihres Sohnes und Enkels einigen konnten. Otto III. regierte allerdings nur kurz, aber immerhin über die Jahrtausendwende. Sein Nachfolger wurde Heinrich II.
Ottos Lieblingsort war Magdeburg, welches zu der Zeit noch unmittelbar an von Slawen besiedeltes Gebiet grenzte. Unter Otto wurde der sächsische und somit der deutsche Machtbereich weit nach Osten ausgedehnt. Magdeburg und das heutige Sachsen-Anhalt wurden so Zentren der ottonischen aber auch der folgenden romanischen Kunst. Heinrich II. verlegte das Machtzentrum nach Bamberg, wo er Land geerbt hatte und einen Dom stiftete, in dem er heute auch begraben liegt. Er war der einzige deutsche König und Kaiser, der je heilig gesprochen wurde. Auch seine Frau, Kunigunde, wurde heilig gesprochen. Beide starben ohne Kinder, was auch das Ende der Dynastie der Ottonen bedeutete. Heinrich II. soll auf dem Sterbebett gesagt haben, dass er Kunigunde so rein zurück geben würde, wie er sie empfangen hätte.
Die Ottonik wird gelegentlich auch der Frühromanik zugeordnet. Manchmal wird die Frühromanik auch als Ottonik bezeichnet. Festzuhalten bleibt, dass die Ottonik im Gegensatz zur karolingischen Kunst, die auch viele Spuren im heutigen Frankenreich hinterlassen hat, eine beinahe rein ‚deutsche’ Kunstrichtung wurde. In der Ottonik löste sich die mittelalterliche Kunst allmählich von der Antike.
Allgemein wird der Zeitraum von 970 bis 1024 als zur Ottonik gehörend betrachtet. Manchmal gilt die Zeit bis 1056 als ‚Spätottonik’. In diesem Jahr trat Heinrich IV. (ein Salier; bekannt durch seinen Gang nach Canossa) die Herrschaft an.
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