Archiv der Kategorie ‘Stilkunde‘

Gefühl und Körperlichkeit: Skulptur der Früh- und Hochgotik

Dienstag, den 10. Juli 2007

Kathedrale von Reims, Gewändefiguren, links: Verkündigung von 1252, rechts: vielleicht Heimsuchung von 1575 (Foto:

Nicht nur, dass die Kirchen in der Gotik wesentlich großzügiger mit skulpturalem Dekor geschmückt wurden als es noch in der Romanik geschah: Fialen krönen Strebepfeiler, Kreuzblumen und Krabben schmücken die Türme, Wimperge und Fialen. Insbesondere jedoch die figürliche Skulptur erlebte einen großen Aufschwung.

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Leichter und lichter: Baukunst der Früh- und Hochgotik

Montag, den 9. Juli 2007

Strebepfeiler und Strebebögen an der Kathedrale von Chartres

Für die meisten Betrachter unterscheidet sich die Gotik – neben den Spitzbögen - von der von ihr abgelösten Romanik zunächst durch das völlig neue Raumgefühl der gotischen Kirchen. Plötzlich entstanden Licht durchflutete Basiliken und Hallen, die auf schlanken Pfeilern und Säulen zunehmend in buchstäblich in den Himmel strebten. Romanische Kirchen waren hingegen vielmehr eine Zusammensetzung aus kompakten Einzelräumen.

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Ein neues Gefühl: Früh- und Hochgotik

Freitag, den 6. Juli 2007

Spitzbögen und Kreuzrippengewölbe in der Kathedrale von Amiens (Foto: aengineer)

Eigentlich gab es keine Frühgotik in Deutschland. Während die Franzosen schon seit 1140 mit dem Baubeginn des berühmten Chorumganges in der Abtei St. Denis bei Paris sich gotischen Formen widmeten, schwelgten die Deutschen noch über 50 weitere Jahre in ihrer beinahe barock anmutenden Spätromanik.

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Bildhübsch: Bildhauerkunst der Romanik

Freitag, den 30. März 2007

Jüngstes Gericht - Saint Lazare, Autun - Gislebertus (1120-1134)Als den Zeitgenossen der Romanik ihre Architektur zu langweilig wurde, entwickelten sie die Bauskulptur (oder Bauplastik). Zuerst als Relief verwirklicht, wurden die Figuren und Ornamente im Laufe der Zeit immer voluminöser. Und so war den romanischen Bildhauern auch anders als ihren antiken Vorgängern nicht so sehr an der Darstellung menschlichen Körpern gelegen, sondern mehr daran, Volumen oder Masse zu erzeugen. Körperlichkeit statt Körper. Dabei war die Bildhauerkunst der salischen Epoche der Romanik formalistisch streng, strenger sogar noch als die der Ottonik. Erst in der staufischen Zeit (nach 1150) wurden die Figuren lebhafter und die Darstellungen variationsreicher und leiteten allmählich zur Gotik über.

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Aus dem Buch an die Kirchenwand: Malerei der Romanik

Donnerstag, den 29. März 2007

Nur wenige romanische Malereien haben bis in unsere Zeit König David - Glasmalerei im Augsburger Dom (um 1140)überlebt; die meisten davon in Italien und Frankreich. Das mag als ein großer Verlust gelten, waren doch einst die meisten Kirchen großflächig ausgemalt. Überhaupt beschränkt sich die überlieferte Malkunst der Romanik im Wesentlichen auf Wandmalereien und die Buchkunst. Altarbilder kamen erst allmählich ab dem 12. Jahrhundert in Mode, zunächst als Antependien, also als Vorsatz, der unten am Altartisch angebracht wurde.

Kennzeichnend für die Epoche war ähnlich wie in der Ottonik eine strenge Stilisierung des Dargestellten, jedoch nicht mehr ganz so streng. Wie auch in der Bildhauerei konzentrierten sich die Künstler auf eine besonderes ausdrucksstarke Darstellung. Stilbildend für die Romanik war die Buchmalerei. Ihre Gestaltungsprinzipien wurden auf die Wandmalerei übertragen. Themen für die Wandmalereien waren biblischen Szenen und Heiligenlegenden. Ein kompletter Zyklus hat sich leider nicht erhalten.

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Zwischen Saliern und Staufern: Romanik

Freitag, den 23. März 2007

Der Rundbogen gilt als das Kennzeichen der Romanik schlechthin. Dabei zeigten auch schon die Bauten der vorangegangen Epoche der Ottonik solche Rundbögen. Die Ottonik Heinrich bittet Mathilde von Tuszien und Abt Hugo von Cluny um Vermittlung (aus Codex Vat. lat. 4922 von ca. 1115)wird so auch gelegentlich der Romanik als Vorromanik zugestellt. Abgesehen von diesem Detail, wird der Beginn der Romanik auf die Zeit zwischen 1050 und 1080 gelegt.

Nicht zufällig fallen diese Termine mit dem Antritt der Salier als Herrschergeschlecht in Deutschland zusammen. 1024 begann die Regierungszeit des ersten Saliers: Konrad II., welcher 1027 auch Kaiser wurde. Berühmtester Salier war aber Heinrich IV., der 1077 zu Papst Gregor VII. nach Canossa ging, um dort im Büßergewand die Aufhebung des gegen ihn verhängten Kirchenbanns zu erwirken. Dieses Ereignis illustriert, mit welchen Schwierigkeiten die deutschen Kaiser inzwischen zu kämpfen hatten, nachdem die Epoche der ottonischen Kaiser von einer relativ unangefochtenen Vormachtsstellung des Kaisers geprägt war. Der sogenannte Investiturstreit (also die Frage, wer die Bischöfe einsetzen durfte; der Papst oder der Kaiser) beschäftigte auch noch die Staufer, die beinahe unmittelbar auf die Salier folgten, nachdem deren Dynastie 1125 mit dem Tod Kaiser Heinrich V. die Macht verloren hatte. Zu den berühmtesten Staufern gehörten Friedrich I. Barbarossa (1152 König (1155 – 1160 Kaiser)) und dessen Enkel Friedrich II. (1212 König (1237 – 1250 Kaiser)).

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Monumentale Gliederung: Baukunst der Romanik

Freitag, den 23. März 2007

Die Unterschiede zwischen Romanik und vorhergehender Ottonik betreffen zunächst vor allem den Zug der Romanik zur Monumentalität. Die Kirchenbauten speyererdomlangschiff.jpgwurden entscheidend größer. Der Typ der Basilika blieb aber bestimmend. Ein weiterer Trend war die wesentlich klarere Gliederung der Baumassen. Das Prinzip der Gliederung gab es zwar schon seit der karolingischen Kunstepoche. Doch die Romanik gestaltete die Kirchenbauten aus den verschiedenartige Baukörpern - rechteckigen und runden, längs- und quergerichteten, lagernden und aufstrebenden –nun zu einem einheitlichen, vielgliederigen Ganzen. Deutlich wurden Schiffe, Vierung, Querhaus, Chorpartien und Türme von einander abgesetzt. Bestes Beispiel ist die Klosterkirche Maria Laach. Und obwohl sich der Begriff Romanik auf die Antike bezieht, kannten oder nutzten die Römer dieses Gliederungsprinzip nicht.

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Abkehr von der Antike: Ottonik

Samstag, den 24. Februar 2007

Wie die karolingische Kunst nach den Karolingern wurde die Ottonik nach den Ottonen benannt, auch wenn das nicht so schön klingt. Die Ottonen selbst nannten sich nach ihrem Stammvater Liudolf Liudolfinger. Die Liudolfinger kamen aus Sachsen und die Kaiser, die aus diesem Geschlecht hervorgingen, werden auch als sächsische Kaiser bezeichnet. Der erste Ottone hieß Heinrich und da noch ein zweiter folgte, nannte ihn die Nachwelt Heinrich II. Auf Heinrich folgen drei Ottos, wobei der erste Otto später der Große genannt wurde. Das von seinem Vater begonnenen Werk der Ungarnbefriedung setzte Otto fort, indem er das kriegerische Nomadenvolk am 10. August 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg vernichtend Evangeliar Kaiser Ottos III. - Meister der Reichenauer Schuleschlug. Unter Otto dem Großen gewann das von Karl dem Großen neubegründete Römische Reich neue Stärke. Indem Otto seinen Sohn Otto (den späteren II.) mit einer byzantinschen Prinzessin verheiratete, nämlich der berühmten Theophanu, holte er mit ihr auch byzantinische Einflüsse in die deutschen Lande. Otto II. verstarb früh, sein Sohn war noch ein Kind und so stritten sich Theophanu und ihre Schwiegermutter Adelheid zunächst über die Macht im Reich, bis sie sich zum Wohle ihres Sohnes und Enkels einigen konnten. Otto III. regierte allerdings nur kurz, aber immerhin über die Jahrtausendwende. Sein Nachfolger wurde Heinrich II.

Ottos Lieblingsort war Magdeburg, welches zu der Zeit noch unmittelbar an von Slawen besiedeltes Gebiet grenzte. Unter Otto wurde der sächsische und somit der deutsche Machtbereich weit nach Osten ausgedehnt. Magdeburg und das heutige Sachsen-Anhalt wurden so Zentren der ottonischen aber auch der folgenden romanischen Kunst. Heinrich II. verlegte das Machtzentrum nach Bamberg, wo er Land geerbt hatte und einen Dom stiftete, in dem er heute auch begraben liegt. Er war der einzige deutsche König und Kaiser, der je heilig gesprochen wurde. Auch seine Frau, Kunigunde, wurde heilig gesprochen. Beide starben ohne Kinder, was auch das Ende der Dynastie der Ottonen bedeutete. Heinrich II. soll auf dem Sterbebett gesagt haben, dass er Kunigunde so rein zurück geben würde, wie er sie empfangen hätte.

Die Ottonik wird gelegentlich auch der Frühromanik zugeordnet. Manchmal wird die Frühromanik auch als Ottonik bezeichnet. Festzuhalten bleibt, dass die Ottonik im Gegensatz zur karolingischen Kunst, die auch viele Spuren im heutigen Frankenreich hinterlassen hat, eine beinahe rein ‚deutsche’ Kunstrichtung wurde. In der Ottonik löste sich die mittelalterliche Kunst allmählich von der Antike.

Allgemein wird der Zeitraum von 970 bis 1024 als zur Ottonik gehörend betrachtet. Manchmal gilt die Zeit bis 1056 als ‚Spätottonik’. In diesem Jahr trat Heinrich IV. (ein Salier; bekannt durch seinen Gang nach Canossa) die Herrschaft an.

Bildnachweis: 1

Gottesburgen: Baukunst der Ottonik

Samstag, den 24. Februar 2007

961 wurde am Nordabfall des Harzes in Gernrode, ganz in der Nähe von Quedlinburg, mit dem Bau eines Damenstiftes begonnen. Damenstifte waren Erziehungsanstalten für Fräuleins der führende Familien und bereiteten sie auf ihre Funktion als Frau eines Fürsten oder eines ähnlich bedeutenden Funktionsträgers vor. Nur die ihr Leben lang unverheirateten Damen verließen das Stift nicht wieder. Der Bau in Gernrode ist eine der ältesten Kirchen Deutschlands, vor allem eine der ältesten, die noch weitgehend im Urzustand erhalten geblieben ist. Die Bauteile dieser Kirche stehen noch recht unvermittelt nebeneinander, es ist keine rechte Ordnung zu erkennen. Bemerkenswert sind die Emporen in den Seitenschiffwänden. Manche glauben darin einen Einfluss der Byzantinerin Theophanu zu vermuten, doch ist auch für Quedlinburg eine heute nicht mehr bestehende Kirche übnachgewiesen, die solche Emporen besaß, lange bevor die Prinzessin Sachsen erreichte. Vermutlich sind die Emporen eher auf die Funktion der Kirche als Damenstiftskirche zurückzuführen. Die Stiftsdamen mussten dem Gottesdienst von den Emporen folgen. Der Kirchenraum unten war im wesentlichen dem männlichen Klerus vorbehalten.

1010 begann man in Hildesheim mit dem Bau der Kirche, die später als Typus des ottonischen Sakralbaus gelten sollte: St. Michaelis. Die Kirche zeigt alle Merkmale, die gemeinhin mit der Ottonik verbunden werden. St. Michaelis ist eine

  • viertürmige Gottesburg,
  • wurde als Basilika gebaut,
  • hat je einen Chor im Osten wie auch im Westen,
  • die Vierung ist durch Bögen ‚ausgeschieden’,
  • der Rhythmus der Pfeiler folgt dem westfälischen bzw. sächsischen Stützenwechsel: zwei Säulen – ein Pfeiler – zwei Säulen, und so weiter und
  • die ganze Kirche ist nach dem ‚gebundenen System’ errichtet worden, das Maß des Vierungsquadrates wurde Maßgeber für die restliche Kirche.

Ottonisch an dem Bau ist auch die Tatsache, dass er nicht nur über eine Vierung verfügt, sondern über zwei. Die Romanik sollte später einen Chor und eine Vierung abschaffen. Anstatt eines Westchores findet sich oft auch ein Westbau, der von Türmen flankiert wird. Ein überliefertes Beispiel ist die Stiftskirche in Essen.

St. Michael in Hildesheim auf einer Zeichnung von 1662In St. Michael wurde auch ein Bauteil eingeführt, welches die ganze deutsche Romanik beherrschen sollte: das Würfelkapitell. Es verbindet optisch auf ideale Weise die Säule mit der Wand, welche auf der Säule ruht. Das Würfelkapitell war für Deutschland so dominierend, dass sich in der Romanik so gut wie keine Kapitell-Skulptur nachweisen lässt. In anderen Ländern, zum Beispiel in Frankreich, war die Kapitell-Skulptur hingegen stilprägend. Die Wandflächen sind zumeist flächig und ungegliedert. Vermutlich waren sie ausgemalt. Deckengewölbe gab es keine, sondern lediglich eine flache Holzdecke, die auch bemalt sein konnte.

Bildnachweis: 1

Experimente mit Großskulpturen: ottonische Bildhauerkunst

Samstag, den 24. Februar 2007

Da es keine Traditionen bei großen Skulpturen gab, war die Ottonik in diesem Fach eine Periode des Experimentes. Vieles war möglich. Eine der großartigsten Skulpturen ist das Gerokreuz im Kölner Dom. Diese überlebensgroße Darstellung wurde um 960 angefertigt und ist ein herausragendes Beispiel für die künstlerische Kraft der Ottonik. Gerokreuz (Strahlenkranz von 1683)Der gekreuzigte Christus wird hier im Zeitpunkt seines Todes dargestellt, dem Moment der Erlösung. Im anzusehen sind die Qualen, die er erlitten hat. Das Gerokreuz hat nichts mehr vom triumphierenden Christus byzantinischer Tradition, der den Betrachter offenen Auges und als Weltenherrscher anblickt. Der gebrochene Heiland des Gerokreuzes sollte stilbildend für alle nachfolgenden Epochen werden, auch wenn der triumphierende Christus noch oft dargestellt werden sollte.. Ein weiteres Meisterwerk ottonischer Bildhauerkunst ist die Goldene Madonna (um 980) des Essener Kunstschatzes, welche als älteste bestehende Marienskulptur gilt.

Von einzigartiger Schönheit ist auch die berühmten bronzenen Bernwards-Türen (1015), die einst für St. Michaelis geschaffen wurden, heute aber im Dom zu Hildesheim aufbewahrt werden. Hier gelang es dem Künstler Szenen aus dem Alten Testament und dem Neuen Testament mit großer emotionaler Eindringlichkeit zu schaffen. In der folgenden romanischen Epoche, während die Salier regierten, wurden die Darstellungen wieder starrer.

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