Kartause Val de Bénédiction , Villeneuve-lés-Avignon , Frankreich

Die Kartause in Villeneuve-lés-Avignon gegenüber von Avignon am anderen Ufer der Rhône war eines der größten Karthäuser-Klöster Europas. Das Kloster übertraf sogar das Mutterkloster selbst, also die Grande Chartreuse bei Grenoble.

Eine Kartause ist kein Kloster im herkömmlichen Sinn. Die Mönche leben in abgetrennten Wohnungen oder Häuschen, lernen allein, lesen allein, beten allein und essen allein. Nur zu den Messen und zu den Stundengebeten kommen die Mönche zusammen.

Diese Art des mönchischen Lebens hat sich auch auf die Gestaltung der Kartause in Villeneuve-lés-Avignon ausgewirkt. Zum einen gibt es eine Klosterkirche, zum anderen mehrere Klosterhöfe, von denen die kleinen Häuschen der Mönche abgehen. Neben den Türen zu den Mönchswohnungen befinden sich kleine Klappen, durch die die Karthäuser ihre Mahlzeiten gereicht bekamen, ohne den Überbringer – zumeist Laienmönche oder Konversen – sehen zu müssen.

Die Kartause von Villeneuve-lés-Avignon wurde wahrscheinlich aus Dankbarkeit gestiftet. Nach dem Tode Papst Clemens VI. 1352 in Avignon (die Päpste residierten im 14. Jahrhundert nicht in Rom sondern in Avignon) wurde als Übergangspapst der Ordensgeneral der Karthäuser Jean Birel gewält. Doch der sah das Papstamt nicht mit seinem Mönchsleben vereinbar und verzichtete. Daraufhin wurde Etienne Aubert als Innozenz VI. Papst und stiftete schon 1353 das Karthäuserkloster gegenüber seiner neuen Residenz.

Aus der Zeit nach der Stiftung stammt auch die gotische Klosterkirche, der die Chorwand heute fehlt. In einer Seitenkapelle befindet sich das Grabmal Papst Innozenz VI., das noch zu Lebzeiten des Papstes angefertigt wurde und eine gotische Kathedralfassade zitiert.

An der Nordseite der Kirche lehnen sich die älteren Kreuzgängen mit den Einzelhäuschen der Mönche an. Das Kloster wurde im Laufe der Jahrhundert erweitert und im 17. Jahrhundert komplett renoviert. 1792 wurde die Kartause im Laufe der Französischen Revolution geschlossen und begann dann zu verfallen. Einige der Mönchswohnungen wurden jedoch als Privathäuser weitergenutzt. Ab 1909 wurden große Teile der Klosteranlagen wieder aufwändig instand gesetzt.

Den Kartäuserorden gibt es heute noch. 23 Klöster, die meisten in Spanien, gehören zur Kongregation. In Villeneuve-lés-Avignon befand sich übrigens hinter jedem Häuschen ein eigener Garten, indem die Kartäuser vor allem Heilpflanzen anbauten. Außerdem hoffte man, dass die Gartenarbeit den Mönchen zur Meditation der biblischen Texte dienlich sein würde.

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